Umstrittener Chef

Uber verspricht Wandel - aber stellt sich hinter Kalanick

+
Der CEO des Online-Vermittlungsdienstes für Fahrdienstleistungen Uber, Travis Kalanick. Foto: Britta Pedersen

Uber schien einst nicht zu stoppen und scherte sich bei seiner rasanten globalen Expansion wenig um Regeln. Jetzt geriet das mit über 60 Milliarden Dollar bewertete Start-up unter anderem durch Diskriminierungs-Vorwürfe in Turbulenzen und gelobt Besserung.

San Francisco (dpa) - Der Fahrdienst-Vermittler Uber will sein angeschlagenes Image eilig reparieren und hält dabei am streitbaren Gründer und Chef Travis Kalanick fest. Der Verwaltungsrat habe Vertrauen in Kalanick, sagte Gremiumsmitglied Arianna Huffington in einer Telefonkonferenz in der Nacht.

Kalanick selbst nahm nicht an der Telefonkonferenz teil. Der charismatische Firmenchef hatte zuletzt für Negativ-Schlagzeilen gesorgt, als in einem Video zu sehen war, wie er in schroffem Ton mit einem Uber-Fahrer streitet. Kalanick versprach danach, erwachsener zu agieren. Seitdem wird nach einer erfahrenen Nummer zwei für die Uber-Chefetage gesucht, die sich um das Tagesgeschäft kümmern könnte. Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg fragte Kalanick unter anderem Facebook-Chef Mark Zuckerberg und dessen Geschäftsführerin Sheryl Sandberg um Rat.

Uber geriet zuletzt in den Mittelpunkt mehrerer Kontroversen. Eine ehemalige Software-Entwicklerin beschrieb in einem viel beachteten Blogeintrag eine Unternehmenskultur, die von Frauen-Diskriminierung geprägt ist. Ihre explosiven Vorwürfe führten zu einer großflächigen Untersuchung unter anderem mit dem früheren Generalstaatsanwalt Eric Holder, der jetzt als Anwalt aktiv ist. Die Untersuchung dürfte bis Ende April abgeschlossen sein und die Ergebnisse sollen veröffentlicht werden, sagte Huffington.

Außerdem wirft die Google-Schwesterfirma Waymo wirft Uber in einer Klage den Einsatz von Lidarsensor-Technologie für selbstfahrende Autos vor, die ein ehemaliger führender Mitarbeiter gestohlen habe. Der Top-Manager Jeff Jones, der als früherer Marketingchef des Handelsgiganten Target zu den Erfahreneren in der Chefetage gehörte, warf vor wenigen Tagen frustriert hin.

Investoren, die in Finanzierungsrunden zum Teil zu einer Gesamtbewertung von deutlich über 60 Milliarden Dollar in Uber investiert haben, machen diese Turbulenzen genauso Sorgen wie die fortlaufenden Milliardenverluste bei der globalen Expansion. Auch das dürfte den Veränderungsdruck auf Uber und Kalanick verschärfen. Huffington betonte, eine Firmenkultur, die "brillante Arschlöcher" ("brilliant jerks") toleriere, solle es nicht mehr geben.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Finanzminister einigen sich auf Guindos für EZB-Vizeposten

Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) werden die Weichen für eine Neuausrichtung gestellt. Die Euro-Finanzminister unterstützen den Spanier de Guindos als künftigen …
Finanzminister einigen sich auf Guindos für EZB-Vizeposten

Dax startet mit Verlusten in die Woche

Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt ist mit Kursverlusten in die Woche gestartet. Der Leitindex Dax knüpfte am Montag nicht an die jüngste Erholung an und …
Dax startet mit Verlusten in die Woche

Wegen Online-Handel: Transporter verkaufen sich immer besser

Nutzfahrzeuge erfreuen sich in Deutschland weiterhin einer enormen Nachfrage. Speziell in der Kategorie der Fahrzeuge bis sechs Tonnen gab es einen deutlichen Zuwachs zu …
Wegen Online-Handel: Transporter verkaufen sich immer besser

Wegen deutschem Dienstleister: Hühnchen-Notstand bei KFC

Wer in Großbritannien der Fast-Food-Kette KFC einen Besuch abstatten möchte, könnte vor geschlossenen Türen stehen: Das Unternehmen hat einen Hühnchen-Engpass. Schuld …
Wegen deutschem Dienstleister: Hühnchen-Notstand bei KFC

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.