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Ukraine-Krieg: SPD-Ministerin fordert Bürger zu weniger Fleischkonsum auf

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Von: Patricia Huber

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Svenja Schulze (SPD), Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze rät zu einem geringeren Fleischkonsum. © Kay Nietfeld/dpa

Die Entwicklungsministerin Svenja Schulze sieht den Fleischkonsum der Deutschen kritisch. Würde man die Produktion reduzieren, könnten mehr Flächen für den Getreideanbau genutzt werden.

Berlin - Die Sorge um einen Mangel an Getreide und somit wichtigen daraus hergestellten Lebensmitteln, wie etwa Brot, treibt die Politik derzeit um. Da die Ukraine eines der wichtigsten Exportländer für Getreide war, wird nun die Angst, dass aufgrund des Ukraine-Krieges* bald ein Mangel entstehen könnte, immer größer.

Ukraine-Krieg: Kritik an Flächennutzung der deutschen Landwirtschaft wird lauter

Daher möchte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir die deutschen Bauern unterstützen. Auch die EU bringt eine 500 Millionen Euro hohe Förderung für Landwirte auf den Weg. Der Zuschuss soll dabei helfen, die gestiegenen Kosten für Dünger und Sprit auszugleichen. Doch immer wieder wird auch kritisiert, dass zu viele landwirtschaftliche Flächen für die Tierfutterproduktion genutzt werden.

Auch Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) sieht die aktuelle Flächennutzung in Deutschland kritisch. Im Interview mit RND sagt sie: „Getreide gehört zuallererst auf den Tisch – und zwar ohne den Umweg über den Futtertrog. Damit ein geschlachtetes Schwein eine Kalorie liefert, muss es zu Lebzeiten drei Kalorien pflanzliche Nahrung vertilgen. 60 Prozent des weltweit produzierten Maises wird an Tiere verfüttert, in der EU ist es bei Weizen ähnlich.“

Weniger Fleisch essen: Svenja Schulze möchte niemandem Vorschriften machen

Weiter erklärt sie, dass sie niemandem Vorschriften beim Essen machen möchte, aber es würde „Entwicklungs- und Schwellenländern mittel- und langfristig sehr helfen, wenn wir in den reichen Ländern weniger tierische Produkte essen würden.“ Sie schlägt vor, die Schweinefleischproduktion zu senken, um mehr Ackerflächen für den Getreideanbau für Entwicklungsländer frei zu haben.

Sie forderte die Deutschen weiter dazu auf, weniger Fleisch zu konsumieren. Wenn in Deutschland die Schweinefleischproduktion um 30 Prozent reduziert würde, wäre eine Ackerfläche von einer Million Hektar frei, etwa ein Zehntel der deutschen Ackerfläche. „Darauf könnte man fünf Millionen Tonnen Getreide anbauen“, so Schulze. Auch eine Reduzierung des Mais- und Getreideanteils im Biosprit müsse erwogen werden.

Doch für diesen Vorschlag erhält Schulze auch Gegenwind. Bauernpräsident Joachim Rukwied macht gegenüber Bild deutlich, dass die Forderungen fachlich falsch wären. „Futtergetreide wird meist in Regionen angebaut, in denen die Böden für den Anbau von Brotweizen häufig ungeeignet sind“, erklärt er.

FDP-Agrarexpertin Carin Konrad ist der Meinung, dass der Vorschlag von Schulze an der Realität vorbeigehe, da derzeit die Gerste bereits ausgesät sei.

Tempolimit und autofreier Sonntag: So soll Öl gespart werden

Aber nicht nur beim Essen wünschen sich manche Politiker und Organisationen seit dem Beginn des Ukraine-Krieges einschneidende Änderungen. Angesichts des knappen Marktes und der steigenden Ölpreise wurden in letzter Zeit immer wieder die Themen Tempolimit und sogar Fahrverbot angesprochen. Die Umweltorganisation Greenpeace dringt beispielsweise auf ein temporäres Tempolimit, wonach die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen auf 100 km/h begrenzt werden soll.

Die energiepolitische Sprecherin der SPD ging in einem Interview mit der Welt sogar noch weiter: „Autofreie Sonntage haben uns in der Vergangenheit nicht geschadet und könnten auch in der heutigen Zeit einen Beitrag leisten, wenn eine entsprechende Verknappung dies erfordert.“ (ph) Mit Material der dpa *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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