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IfW-Ökonomen: Diese Sanktionen würden Russlands Wirtschaft am härtesten treffen

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Von: Michelle Brey

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Arbeiter an einer Pumpstation der „Druschba“-Pipeline in der Nähe des Dorfes Bobowitschi, etwa 330 km südöstlich von Minsk.
Arbeiter an einer Pumpstation der „Druschba“-Pipeline in der Nähe des Dorfes Bobowitschi, etwa 330 km südöstlich von Minsk. © Sergei Grits/dpa

Welche Sanktionen müssten verhängt werden, um Russlands Wirtschaft hart zu treffen? Berechnungen des Kiel Institut für Weltwirtschaft geben Aufschluss.

Kiel - Der Ukraine-Russland-Konflikt* eskaliert. Während Wladimir Putin seinen Ton verschärft, die Ukraine sich auf einen Krieg vorbereitet, verhängten die EU, die USA und andere westliche Staaten Sanktionen*. Vorerst zielen die Maßnahmen auf den russischen Finanzsektor und einzelne Personen im Umfeld Putins ab.

Welche Maßnahmen notwendig wären, um die wirtschaftliche Lage von Russland hart zu treffen, zeigen nun Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Der Ökonom Hendrik Mahlkow am IfW simulierte, mit welchen Handelsaktionen der Westen die russische Wirtschaft am härtesten treffen würde.

Sanktionen gegen Russland: Was für die russische Wirtschaft schmerzhaft sein würde

Schmerzhaft dürften demzufolge für Russland mögliche Sanktionen gegen den Energiesektor werden - denn auf den globalen Rohstoffmärkten spielt das Land laut der Ratingagentur Fitch Ratings eine „Schlüsselrolle“. Sanktionen gegen den Energiesektor sind somit ein scharfes Schwert. Das teilte das IfW am Mittwoch mit.

„Demnach hätte ein Handelsstopp mit Gas einen Einbruch der russischen Wirtschaftsleistung um knapp drei Prozent zur Folge, ein Handelsstopp mit Öl einen Einbruch um gut ein Prozent“, lautet der Befund. „Für Deutschland und die EU wären die wirtschaftlichen Schäden in beiden Fällen äußerst gering.“ Dabei spielt laut IfW keine Rolle, ob ein Einfuhrembargo seitens der EU verhängt würde, oder ob Russland ein Lieferembargo beschlösse.

Sanktionen gegen Russland: Handelsstop für Gas würde deutsches BIP leicht erhöhen

Im Falle eines Handelsstopps für Gas würde laut IfW das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) sogar leicht um 0,1 Prozent zunehmen. „Grund für das Plus ist, dass die westlichen Verbündeten die fehlenden Importe Russlands durch Produkte der Bündnispartner ersetzen würden und hier Deutschland besonders wettbewerbsfähig ist“, so das Kieler Institut. „Im Falle eines Gasembargos hätte Deutschland beispielsweise bei der energieintensiven Produktion bzw. Verarbeitung von Metallen einen Kostenvorteil, weil sein Energiemix nur zu verhältnismäßig geringen Teilen aus russischem Gas besteht.“

Ein Handelsembargo mit Öl hätte laut IfW-Berechnungen für Russland einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,2 Prozent zur Folge, in Deutschland und der EU aber nur um jeweils 0,1 Prozent. Geringer schätzt das Institut die makroökonomischen Effekte eines Embargos für Maschinen und Maschinenteile sowie Fahrzeuge und Fahrzeugteile ein. Diese ließen Russlands Wirtschaft um 0,5 Prozent beziehungsweise 0,3 Prozent schrumpfen. Auch hier beurteilt das IfW die Effekte auf die Wirtschaftsleistung Deutschlands und der EU als minimal.

Berechnungen des IfW: „Drohung Russlands mit einem Lieferstopp für Gas und/oder Öl wenig glaubhaft“

„Unsere Berechnungen sind exemplarischer Natur, aber sie zeigen klar, dass die mittelfristigen wirtschaftlichen Folgen von Handelsembargos Russland sehr viel härter treffen würden als die westlichen Verbündeten“, sagte Mahlkow, wie aus einer Pressemitteilung des IfW hervorgeht. So sei die „Drohung Russlands mit einem Lieferstopp für Gas und/oder Öl wenig glaubhaft“.

„Auf der anderen Seite ist ein Stopp von Nord Stream 2 durch die Bundesregierung absolut nachvollziehbar. Hierdurch wird Russlands geopolitische Position nicht noch weiter gestärkt, und es bedeutet nicht per se, dass russische Gaslieferungen weiter zurückgehen müssen“, fuhr Mahlkow fort. Am Dienstag (22. Februar) hatte Bundeskanzler Scholz als Reaktion auf die Eskalation in der Ukraine-Krise durchgegriffen. Die Gaspipeline Nord Stream 2 soll vorerst nicht in Betrieb gehen. (mbr mit dpa und AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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