Bio oder konventionell?

Umweltstiftung sieht Landwirtschaft vor Systemänderung

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Ein Landwirt in Niedersachsen bei der Ernte von Bio-Möhren. Foto: Julian Stratenschulte

Bio oder konventionelle Landwirtschaft - viele Menschen sehen zwischen beiden Alternativen eine klare Trennung. Aber wenn die Landwirtschaft eine Zukunft haben soll, müssen sich beide Systeme aufeinander zubewegen, meint man bei der Bundesstiftung Umwelt.

Osnabrück (dpa) - Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt sieht die Landwirtschaft vor einem tiefgreifenden Wandel. "Wir stehen an der Schwelle einer Systemänderung", sagte der Generalsekretär der Stiftung, Heinrich Bottermann, der Deutschen Presse-Agentur in Osnabrück.

Die Branche müsse sich in den kommenden Jahren deutlich mehr auf Nachhaltigkeit und den sparsamen Umgang mit Ressourcen einstellen. Viele Probleme von der Tierhaltung bis zum Umgang mit Dünger und der Belastung von Böden und Luft würden sich lösen, wenn Nachhaltigkeitskriterien ernster genommen würden.

"Mein Eindruck ist schon, dass die Landwirte dazu bereit sind", sagte Bottermann. Allerdings müssten auch die Verbraucher bereit sein, für nachhaltiger hergestellte Produkte auch mehr auszugeben: "Wenn die Gesellschaft bestimmte Ansprüche an die Landwirtschaft hat, muss sie das auch bezahlen."

Er rechne damit, dass sich in den nächsten Jahren die konventionelle und die Öko-Landwirtschaft immer mehr annähern werden. "Weder die ökologische noch die konventionelle Landwirtschaft sind alleine der richtige Weg", betonte Bottermann. Die konventionellen Betriebe müssten sich der Diskussion um ihre Tierhaltung stellen, aber auch Problemen wie der Stickstoffbelastung von Grundwasser, Flüssen, Seen und Luft.

Die Ökolandwirtschaft habe zwei große Probleme: Die bei der Pflanzenproduktion dem Boden entzogenen Nährstoffe würden kaum ersetzt und der Flächenbedarf sei sehr groß. Der Ertrag einer Fläche, die nach den Regeln des Ökolandbaus bewirtschaftet werde, sei etwas mehr als die Hälfte des konventionellen Landbaus. "Ich brauche viel mehr Fläche, und wenn ich die Fläche in Deutschland nicht habe, dann hole ich mir die Ökolebensmittel aus China, aus Südamerika und aus Südafrika", sagte Bottermann. Dann stelle sich mit Blick auf die Transportwege die Nachhaltigkeitsfrage. Ebenso werfe die Qualitätssicherung Fragen auf.

Ökolandwirtschaft allein sei daher nicht die Lösung aller Probleme. Der Ressourcenaufwand für ein Kilo Lebensmittel sei nicht geringer als bei der konventionellen Landwirtschaft. In den nächsten Jahren müssten daher die Themen Nachhaltigkeit und Ressourcenverbrauch wichtiger werden, sagte Bottermann. "Auch die Gesellschaft muss sich diesen Themen gegenüber mehr öffnen." Den Verbrauchern müsse man beim Einkauf mehr Informationen über den Energieverbrauch, Flächen- und Rohstoffverbrauch von Lebensmitteln geben.

Der Anteil der Bio-Höfe in Deutschland steigt nach Zahlen des Bundesagrarministeriums. Ende vergangenen Jahres setzten 8,7 Prozent der Betriebe auf ökologische Landwirtschaft. Im Vorjahr hatte der Anteil noch bei 8,3 Prozent gelegen. Die Zahl der Bio-Bauernhöfe stieg um 5,7 Prozent auf 24.736. Diese Höfe bewirtschaften auch einen zunehmenden Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche: 1.088.838 Hektar waren es Ende 2015. Zwar waren das 3,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, jedoch nur 6,5 Prozent der Gesamtfläche, die in Deutschland für die Landwirtschaft genutzt wird.

Die Landwirtschaft mache sich derzeit auf den Weg und rüste sich für Veränderungen. "Ich glaube, dass die Gesellschaft mehr reflektiert, welche Leistung die Landwirtschaft für unsere Gesellschaft übernimmt", sagte Bottermann. So sei die Kulturlandschaft in Europa Ergebnis bäuerlichen Wirkens, was auch immer mehr Menschen zu schätzen wüssten. Letztlich werde sich daher auch das Image der Landwirtschaft zum Positiven wenden.

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