Pochen auf Initiativrecht

Unis kritisieren Industrie: Auftragsforschung "Kuckucksei"?

+
Schriftzug "Universität" ist auf dem Dach des Continental-Hochhauses in Hannover angebracht. Foto: Silas Stein/Illustration

Keine Forschung auf Bestellung - die deutschen Hochschulen betonen gern ihre Unabhängigkeit. Das Verhältnis zur Industrie bei gemeinsamen Projekten und Doktorarbeiten ist zusehends angespannt.

Darmstadt (dpa) - Die Technischen Universitäten warnen die Wirtschaft vor einer immer stärkeren Verquickung von Forschungsgeldern und inhaltlichen Vorgaben bei Hightech-Themen.

"Unser Eindruck ist, dass sich die Grenzen verschoben haben", sagte der Präsident der TU Darmstadt, Hans Jürgen Prömel, der Deutschen Presse-Agentur. Zunehmend komme es vor, dass die Industrie selbst etwa Promotionsstellen "ausschreibe" und so versuche, die Ausrichtung wichtiger Projekte direkt zu beeinflussen.

Die Hochschulen müssten jedoch unbedingt das Initiativrecht behalten - sonst drohe rein interessengeleitete Auftragsforschung. Die Wissenschaftsgemeinde sehe solche "Kuckucksei-Promotionen" skeptisch.

"Co-Sponsoring von Themen ist überhaupt kein Problem - wir versuchen auch immer, die Balance zu halten", erklärte der Professor, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Technischen Universitäten (ARGE-TU) ist. Wenn die Wirtschaft allerdings versuche, sich immer mehr in einzelne Themen einzumischen, sei das schwierig. "Bei "Kuckucksei-Promotionen" wird oft versucht, das Thema von außen - also von Industrieseite - ganz vorzugeben. Das kann nicht sein."

Prömel berief sich auf die Unabhängigkeit der Forschung, auch bei Themen wie "Industrie 4.0". Firmen, die den Eindruck erweckten, über den Projektstart bestimmen zu können, führten den Nachwuchs in die Irre: "Die Ausschreibung von betrieblichen Promotionsprogrammen spiegelt den Bewerbern etwas Falsches vor. Normalerweise sucht ein Professor passende Partnerfirmen für ein Projekt aus und schaut dann, welcher Promovend für die Bearbeitung geeignet ist."

Aus Sicht der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände müssen die Hochschulen ihre zentrale Rolle behalten. "Die Hoheit, ein Promotionsthema zu akzeptieren, liegt bei den Universitäten", sagte ein Sprecher. "Unternehmen sollten aber die Freiheit haben, Forschungsbedarf zu benennen und an Unis dafür zu werben."

Für Prömel ist eine zu starke Mitsprache in der technischen Forschung auch noch aus einem anderen Grund heikel: Es gebe Versuche, die gewonnenen Erkenntnisse nur in den Unternehmen zu halten. "In der Wissenschaft herrscht Publizitätspflicht", hielt er dagegen, "solche Standards sollten wir nicht verhandeln". Vertraulichkeit sei in bestimmten Fragen in Ordnung. "Doch gegen die Aufforderung, ganze Ergebnisteile (...) im Eigeninteresse der Industrie geheim zu halten, werden wir uns rigoros wehren."

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Aldi hat den Traum-Swimming-Pool im Angebot - doch er hat einen großen Nachteil

Der Discounter Aldi hat seit einigen Tagen einen Aufstell-Pool im Angebot. Steht einem heißen Sommer mit Abkühlung im Garten also nichts mehr im Weg, oder?
Aldi hat den Traum-Swimming-Pool im Angebot - doch er hat einen großen Nachteil

Ermittler greifen im Abgasskandal gegen Top-Manager durch

Im Abgasskandal geht die Justiz hart gegen VW-Spitzenpersonal vor. Audi-Chef Stadler muss wegen Verdunklungsgefahr in U-Haft. Die umfangreichsten strafrechtlichen …
Ermittler greifen im Abgasskandal gegen Top-Manager durch

Krebs durch Glyphosat? US-Prozess gegen Monsanto beginnt

San Francisco (dpa) - Der jüngst vom Bayer-Konzern übernommene Saatgutriese Monsanto muss sich erstmals vor einem US-Gericht wegen angeblich verschleierter Krebsrisiken …
Krebs durch Glyphosat? US-Prozess gegen Monsanto beginnt

China wirft USA Start von Handelskrieg vor

Geht es nach Donald Trump, sollen die Hälfte aller chinesischen Einfuhren mit Strafen belegt werden. Peking will Vergeltung üben - ist ein folgenschwerer Konflikt noch …
China wirft USA Start von Handelskrieg vor

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.