US-Abschottungspolitik

Deutsche Wirtschaft sieht Chancen in Asien

Frankfurt - Der Austritt der USA aus dem transpazifischen Handelsabkommen TPP war eine der ersten Amtshandlungen von Donald Trump - und gilt als schwerer Rückschlag für den Freihandel. Doch für deutsche Unternehmen könnten sich dadurch auch neue Möglichkeiten eröffnen.

Der Austritt der USA aus der Transpazifischen Partnerschaft TPP eröffnet der deutschen Wirtschaft nach Ansicht von Hubert Lienhard, Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (APA), auch neue Perspektiven. „Der TPP-Ausstieg der USA bietet Chancen für die deutsche und die europäische Wirtschaft in Asien“, sagte Lienhard der Nachrichtenagentur dpa-AFX.

„Der chinesische Präsident wirbt in Davos für die Vorteile der Globalisierung und des freien Handels, während der neue US-Präsident Deutschland vorwirft, den Euro schwach zu halten, uns mit Strafzöllen droht und aus Freihandelsabkommen aussteigt“, so der APA-Vorsitzende. „Das sind neue Konstellationen in Politik und Weltwirtschaft, auf die sich die deutsche Wirtschaft vorbereiten muss.“

Der TPP-Rückzug von Trump hatte für einen Paukenschlag gesorgt. Mit der Entscheidung stellt die neue Führung in Washington den Freihandel als wirtschaftspolitisches Ziel führender Industriestaaten in Frage und schürt die Furcht vor Strafzöllen und Handelsbeschränkungen.

Lienhards Einschätzung nach hatte das TPP-Abkommen von Beginn an den „Geburtsfehler“, dass die wichtigste asiatische Handelsmacht China von diesem Abkommen ausgeschlossen war. „Dies lässt sich jetzt korrigieren und China könnte ein Treiber für ein neues Trans-Pazifisches Freihandelsabkommen werden“.

Laut dem APA-Vorsitzenden wird viel davon abhängen, wie China auf die neue Lage reagieren wird. „Die Stabilität in der Region war bisher stark an die Präsenz der USA geknüpft. Ein Rückzug der USA birgt sicherlich Risiken für Sicherheit und Stabilität in der Region.“ Daher sei es auch im Interesse Chinas, wenn sich das Land für Stabilität in der Region einsetzt.

Überhaupt sei die Frage umso wichtiger, wie China mit der wachsenden Macht umgehen wird, so Lienhard. Zuletzt habe Chinas Präsident Xi Jinping in Davos versichert, dass sein Land das Ziel verfolge, den globalen Freihandel weiterzuentwickeln. Lienhard machte aber auch deutlich, dass deutsche Unternehmen in China auf Markthürden stoßen. Die Firmen vor Ort warteten hier „leider noch immer auf klare Leuchtturmprojekte die das chinesische Bekenntnis zum freien Handel auch in der Praxis unter Beweis stellen.“

Es gelte generell nach vorne zu schauen: „Die EU muss jetzt geschlossen auftreten und die laufenden Verhandlungen für Freihandelsabkommen in der Region mit Japan und Indien, oder auch das Investitionsschutzabkommen mit China offensiver vorantreiben und zügig abschließen“, forderte Lienhard.

Zudem sei es sehr wichtig, dass die EU bei den Interessen in der Asien-Pazifik-Region Geschlossenheit zeige. „Hierzu braucht es eine EU, die mit einer Stimme spricht und ihre Handlungsfähigkeit gerade gegenüber unseren Partnern in Asien überzeugender unter Beweis stellt“, sagte Lienhard.

Die direkten Auswirkungen des amerikanischen Rückzugs aus dem TPP-Abkommen für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft werden sich demnach erst mittelfristig zeigen. „Wir sollten jedoch vertanen Chancen nicht nachtrauern, sondern uns auf die nächsten Schritte konzentrieren.“ Für Lienhard ist dabei eines wichtig: „Es muss der Wirtschaft besser als in der Vergangenheit gelingen, die Menschen davon zu überzeugen, dass freier Handel und Globalisierung für die Weltbevölkerung deutlich mehr Vorteile bringen als nationaler Protektionismus und Abschottung.“

Hubert Lienhard ist auch Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung des Anlagen- und Maschinenbauers Voith. Das Unternehmen mit Sitz in Heidenheim hat Standorte in über 60 Ländern, rund 19.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von rund 4,3 Milliarden Euro.

Grüne: Trump legt Grundlagen für nächste Finanzkrise

US-Präsident Donald Trump gefährdet nach Einschätzung der Grünen im Bundestag die Stabilität der Finanzmärkte. Mit seinen Vorbereitungen zur Rückabwicklung von Regeln für Banken lege Trump „die Grundlagen für die nächste Finanzkrise“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Fraktion, Gerhard Schick, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. „Er zeigt damit, dass er auf Seite der Wall-Street-Banken steht, nicht auf Seite seiner Wähler.“

Am Vortag hatte Trump angeordnet, nach der Finanzkrise eingeführte Regeln auf ihre Notwendigkeit hin zu überprüfen. Den sogenannten Dodd-Frank-Act hatte die Obama-Regierung 2010 erlassen.

„Auch bei uns in Europa werden die Rufe nach Deregulierung lauter, jetzt auch mit Verweis auf die USA“, sagte Schick. Die richtige Antwort auf Trumps Deregulierung sei aber, in Europa das Nötige zu tun, um die Altlasten der europäischen Bankenkrise loszuwerden. Außerdem müsse konsequente Regulierung den europäischen Finanzsektor schützen, damit die drohende Instabilität aus den USA nicht „herüberschwappen“ könne.

DIHK: Durch Trump stehen in Deutschland Arbeitsplätze auf dem Spiel

Die von US-Präsident Donald Trump verfolgte Abschottungspolitik könnte aus Sicht der Wirtschaft Arbeitsplätze in Deutschland kosten. Wenn Trump seine Ankündigungen eins zu eins umsetze, „würde das sowohl Arbeitsplätze in Deutschland gefährden als auch in den Vereinigten Staaten“, sagte der Präsident des Deutschen Indstrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, im Deutschlandfunk. Trumps Erwartung, durch Abschottung der US-Märkte in anderen Ländern Arbeitsplätze abzubauen, die dann in gleicher Zahl in den USA wieder geschaffen würden, funktioniere in der Welt des 21. Jahrhunderts nicht mehr. Es müsse aber versucht werden, einen Handelskrieg möglichst zu verhindern. „Das geht nur über Gespräche“, sagte der DIHK-Präsident.

dpa

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