Gewerkschaft droht mit „Kampfmaßnahmen“

Verdi fordert Hilfsprogramme für Jobabbau in Energiekonzernen

+

In der Energiebranche werden Tausende weitere Jobs wegfallen. Die Konzerne müssten den Betroffenen helfen, verlangt Verdi - und droht für den Notfall mit „Kampfmaßnahmen“.

Berlin/Essen - Die Gewerkschaft Verdi rechnet mit einer neuen Personalabbauwelle in der Energiewirtschaft und fordert Hilfs- und Umschulungsprogramme für die Betroffenen. „Wir führen aktuell mit praktisch allen großen Konzernen Gespräche über Einsparungen“, sagte das Verdi-Bundesvorstandsmitglied Andreas Scheidt der Deutschen Presse-Agentur. In den kommenden Jahren fielen voraussichtlich Tausende weitere Jobs in der Branche weg - durch Rationalisierungen, die Schließung von Kohle- und Gaskraftwerken sowie den Atomausstieg.

Die Gewerkschaft werde dafür kämpfen, dass dieser Prozess mit staatlichen Hilfsprogrammen begleitet werde, kündigte Scheidt an. „Wir brauchen sozialverträgliche Lösungen und Ersatzjobs, wir werden das stark einfordern, notfalls auch mit Kampfmaßnahmen.“

Aktuell plant etwa RWE den Abbau von 2300 Stellen bis 2020, davon 1600 im Rheinischen Revier. Eon will mit seinem Umbauprogramm „Phönix“ bis 2018 konzernweit 1300 Stellen streichen, davon in Deutschland 1000 Jobs vor allem in der Verwaltung. Gekürzt wird auch bei der Eon-Kraftwerksabspaltung Uniper mit dem Programm „Voyager“ um 400 Millionen Euro. Der Essener Energiekonzern Steag will mit seinem Spar- und Umbauprogramm „Steag 2022“ bis zu 1000 Stellen in Deutschland abbauen.

Preise und Gewinne in der Energiebranche stark gesunken

Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatte Verdi ein Milliardenprogramm zur Abfederung des Kohleausstiegs gefordert, das aus den deutschen Einnahmen des CO2-Zertifikatehandels finanziert werden sollte. Der Vorschlag sei auf viel Zustimmung gestoßen; vor der Bundestagswahl wolle sich aber kein Lager klar positionieren, meinte Scheidt.

Ziel von Hilfsprogrammen könnten Vorruhestandsangebote für ältere Mitarbeiter und Umschulungen für Jüngere sein - etwa für neue Jobs bei der Wartung von Stromnetzen oder in Stadtwerken.

Der Staat greife seit 20 Jahren verstärkt in das Energiegeschäft ein, sagte Scheidt. Jetzt müsse er den Unternehmen bei einer sozialverträglichen Umsetzung der Energiewende helfen. In der deutschen Energiewirtschaft sind die Börsenstrompreise und damit die Unternehmensgewinne seit den Höchstwerten von 2008/09 auch als Folge der Energiewende scharf eingebrochen. Tausende Jobs wurden danach in der Branche bereits abgebaut.

dpa

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Noch 30 "technische Risiken" in BER-Fluggastterminal

Berlin (dpa) - In dem noch nicht fertiggestellten Fluggastterminal des neuen Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld bestehen derzeit etwa 30 "technische Risiken" von …
Noch 30 "technische Risiken" in BER-Fluggastterminal

Post bei Brief-Rabattzahlungen um bis zu 100 Millionen Euro betrogen

Die deutsche Post ist offenbar um eine hohe Millionensumme betrogen worden. Es geht um Rabattzahlungen bei gebündelten Briefen. Drei Beschuldigte sitzen bereits hinter …
Post bei Brief-Rabattzahlungen um bis zu 100 Millionen Euro betrogen

Flughafen BER: Noch 30 „technische Risiken“ in Fluggastterminal

Nach elf Jahren Bauzeit werden die Mängel am Hauptstadtflughafen BER nach und nach beseitigt. Aktuell sollen im Fluggastterminal noch 30 „technische Risiken“ bestehen.
Flughafen BER: Noch 30 „technische Risiken“ in Fluggastterminal

Gibt es bald „Beauty-Waggons“ in Zügen?

In den Zügen der Deutschen Bahn könnten bald Drogerie-Produkte angeboten werden. Darüber denkt die Chefin von Douglas nach. Auch mit der Lufthansa will sie …
Gibt es bald „Beauty-Waggons“ in Zügen?

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.