Finanzbranche

Verdi: ING-Diba-Tarifvertrag setzt Maßstäbe

+
Haupteingang des Unternehmenssitzes der ING-DiBa in Frankfurt am Main. Foto: Arne Dedert/Illustration

Die ING-Diba ist gerne ein bisschen anders als andere Banken. Das versucht die Tochter der niederländischen ING auch bei den Tarifverträgen für ihre Mitarbeiter. Mit Erfolg, wie die Gewerkschaft Verdi meint - auch wenn nicht alle Wünsche erfüllt werden.

Frankfurt/Main (dpa) - Mit neuen tariflichen Sonderleistungen für ihre gut 4000 Mitarbeiter setzt die Direktbank ING-Diba nach Ansicht der Gewerkschaft Verdi Maßstäbe für die Finanzbranche in Deutschland.

Der zum 1. Januar 2013 erstmals vereinbarte "Zukunftstarifvertrag" wurde nun erweitert. Festgeschrieben ist nach Angaben der Tarifpartner seit diesem Jahr unter anderem der Anspruch auf eine berufliche Auszeit ("Flexi-Time"/"Sabbatical") für bis zu drei Monate - nach Verdi-Angaben gibt es das so in Tarifverträgen bislang nicht.

"Das Bedürfnis nach flexiblen Arbeitszeitmodellen nimmt zu, darauf müssen wir als Tarifpartner reagieren", sagte Birgit Braitsch, Fachbereichsleiterin Finanzdienstleistungen bei Verdi in Hessen, der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. "Wir brauchen Angebote für die Mitarbeiter - unabhängig davon, in welcher Lebensphase sich der Beschäftigte gerade befindet."

Zwar müssen die Mitarbeiter ihre Auszeit selbst finanzieren, indem sie zuvor ihr Gehalt reduzieren. Erfordern jedoch besondere Anlässe eine Auszeit - Pflege Angehöriger, soziale Projekte, Weiterbildung - gibt es für den Zeitraum vom Arbeitgeber 20 Prozent Gehaltszuschuss.

Monatliche Zuschüsse zahlt die ING-Diba auch für die Betreuung von bis zu sechsjährigen Kleinkindern (100 Euro) und die Pflege Angehöriger (150 Euro). Finanziell unterstützt wird, wer sich neben dem Job weiterbildet. "Wir werden die Liste der geförderten Weiterbildungsangebote signifikant erweitern - es sollte allerdings einen Bankbezug haben", erklärte der stellvertretende Personalchef der ING-Diba, Matthias Robke.

Zudem steht jedem Mitarbeiter ein jährliches "Gesundheitsbudget" von 300 Euro zur Verfügung. Damit können etwa Mitgliedsbeiträge für den Sportverein oder das Fitnessstudio anteilig bezahlt werden. "Wir planen langfristig mit unseren Mitarbeitern, uns ist wichtig, dass sie auch langfristig gesund und leistungsfähig sind", begründete Robke. "Wir kalkulieren mit Kosten von zwei Millionen bis drei Millionen Euro für die zusätzlichen Leistungen. Das sind etwa ein bis zwei Prozent der gesamten Personalkosten der Bank", rechnete er vor.

"Das ist nicht nur Marketing, das ist wirkliches Interesse an den Mitarbeitern", lobte Braitsch. "Die Vereinbarungen bei der ING-Diba können in manchen Bereichen Signalwirkung für die Branche haben."

Etwas Wasser gießt die Verdi-Vertreterin aber doch in den Wein: "Mit dem Zukunftstarifvertrag wird natürlich nicht aufgefangen, dass die Miete und die Lebenshaltungskosten insgesamt steigen. Das ist kein Ersatz für Gehaltserhöhungen", betonte Braitsch. "Beim Tarifgehalt ist in der gesamten Branche noch Luft nach oben."

Zahlen und Fakten zur ING-Diba

50 Jahre ING-Diba

ING-Diba zur Bilanz 2016

Vorstand ING-Diba

ING-Diba zu Zukunftstarifvertrag 2013

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Regierungschefs beraten über BER-Eröffnung

Fünfeinhalb Jahre, nachdem er eigentlich eröffnet sein sollte, wird am Hauptstadtflughafen immer noch gebaut und repariert. Heute wird mal wieder über den Zeitplan …
Regierungschefs beraten über BER-Eröffnung

US-Unternehmen übernimmt deutschen Auto-Teilehändler Stahlgruber

Der US-Autoteilehändler LKQ will den deutschen Auto-Ersatzteilehändler Stahlgruber kaufen. Noch ist die Übernahme aber nicht von den Behörden genehmigt worden. 
US-Unternehmen übernimmt deutschen Auto-Teilehändler Stahlgruber

Apple kauft Musikerkennungs-App Shazam

Apple hat den Kauf der Musikerkennungs-App Shazam bestätigt. Der Preis könnte laut Medieninformationen über 400 Millionen Dollar gewesen sein. 
Apple kauft Musikerkennungs-App Shazam

Dax resigniert vor 13.200 Punkten

Frankfurt/Main (dpa) - Am deutschen Aktienmarkt haben die Anleger zum Wochenbeginn vergeblich auf einen ersehnten Jahresendspurt gewartet. Nach einem frühen …
Dax resigniert vor 13.200 Punkten

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.