Arbeitsmarktstudie

Viele Firmen beschäftigen Menschen mit ausländischen Wurzeln

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Asylbewerber Hamza Ahmed (l) aus Somalia arbeitet für die Firma Reuther STC GmbH im brandenburgischen Fürstenwalde. Foto: Patrick Pleul/Archiv

Großunternehmen ohne zugewanderte Mitarbeiter sind in Deutschland schon die Ausnahme. Auch viele mittlere und kleinere Firmen sind offen für Menschen mit Migrationshintergrund. Indes gibt es weiter große Bedenken bei der Einstellung.

Köln/Berlin (dpa) - Viele deutsche Firmen stehen Mitarbeitern mit ausländischen Wurzeln offen gegenüber. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (57 Prozent) hierzulande beschäftigt aktuell Menschen mit Migrationshintergrund oder hat dies in den vergangenen fünf Jahren getan.

Das zeigt eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für das Bundesfamilienministerium. Bei Großunternehmen hätten sogar 92 Prozent gemischte Belegschaften, heißt es in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zugleich gibt es weiter starke Bedenken bei der Einstellung von Migranten.

Große Firmen beschäftigten dabei 39 Prozent aller Migranten in Deutschland. Bei den mittelgroßen und kleinen Firmen ist der Anteil jener geringer, die Menschen mit ausländischen Wurzeln beschäftigen: Hier sind es 81 beziehungsweise 55 Prozent. Zugewanderte kommen auch bei Neueinstellungen zum Zug: Jede zweite Firma hat in den letzten fünf Jahren Menschen mit Migrationshintergrund eingestellt - aus dem EU-Ausland und aus Ländern außerhalb der Union, etwa Flüchtlinge.

"Unternehmen sind offener gegenüber Beschäftigten mit Zuwanderungsgeschichte geworden", erklärte IW-Geschäftsführer Hans-Peter Klös. Sie hätten erkannt, dass sie auf diese angewiesen seien, um die Versorgung mit Fachkräften zu gewährleisten. Bei der letzten Befragung 2011 hatten auch schon 55 Prozent der Firmen angegeben, Menschen mit Migrationshintergrund zu beschäftigen.

Zugleich machen sich die Unternehmen viele Sorgen bei der Einstellung. Als große Hürde sehen demnach 58 Prozent mangelnde Sprachkenntnisse, Einschränkungen beim Aufenthaltsstatus (35 Prozent) und die Einschätzung der Qualifikation von Migranten (31 Prozent). Firmen, die schon Migranten beschäftigen, haben aber weniger Vorbehalte. Unter ihnen sehen 21 Prozent Hürden in der Einschätzung von Qualifikationen.

Doch es gibt auch Positives. Große Sorgen um den Anstieg kulturell bedingter Spannungen in der Belegschaft macht sich nur gut jede achte Firma (12 Prozent). Zugleich hält jedes vierte Unternehmen Menschen mit Migrationshintergrund für besonders motiviert.

"Die Umfrage zeigt, dass Unternehmen sehr gute Erfahrungen mit einer interkulturellen Belegschaft gemacht haben", erklärte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD). Nachholbedarf gebe es aber bei der Integration von Migrantinnen in den Arbeitsmarkt, da erst 39 Prozent der Firmen solche beschäftigten. "Gerade zugewanderte Frauen bringen ein hohes Potenzial und große Motivation mit." Daher fördere das Familienministerium Mütter mit Migrationshintergrund.

Die Befragung legt ferner ein Ost-West-Gefälle offen. Während in den alten Bundesländern 64 Prozent der Firmen Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigten, sind es in den neuen 38 Prozent.

Um die Integration voranzutreiben, bietet über die Hälfte der Firmen selbst Maßnahmen an, etwa zu allgemeinen Respekt-Richtlinien im Unternehmen (29 Prozent), Sprachkurse (27) und Weiterbildungen (21).

Bundesfamilienministerium - Mitteilungen

Informationen zum Institut der deutschen Wirtschaft Köln

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