Aktienpreis plausibel

Vodafone gewinnt Prozess gegen US-Milliardär Singer

+
Vodafone hat sich gegen einen US-Milliardär durchgesetzt. Foto: Federico Gambarini/dpa

Übernahmen haben häufig unerwünschte Nebenwirkungen - und keineswegs nur für Arbeitnehmer und Management. Wenn Aktionäre mehr Geld fordern, bedeutet das Arbeit für die Justiz. In München setzt sich ein großer Konzern gegen einen Milliardär durch - zumindest vorerst.

München (dpa) - Der Mobilfunkanbieter Vodafone muss dem Hedgefonds des US-Milliardärs Paul Singer keine höhere Abfindung für seinen Anteil an der 2014 übernommenen Kabel Deutschland zahlen.

Das Münchner Landgericht wies die Klage der von Singer gegründeten Investmentfirma Elliott Management ab, die eine höhere Abfindung für ihre Aktien erstreiten wollte. Beteiligt an dem Prozess waren mehrere Kläger, so auch die Kleinaktionärsvereinigung SdK.

Vodafone hatte Kabel Deutschland 2014 übernommen. Aktionäre, die ihre Anteile verkauften, erhielten 84,53 Euro pro Aktie. Für die Anteilseigner, die nicht verkauften, gab es als Dividendenersatz einen jährlichen Ausgleich von 3,77 Euro je Aktie. Beides sei angemessen, entschied die 5. Handelskammer in ihrem 287-seitigen Beschluss. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Nach Einschätzung des Vorsitzenden Richters Helmuth Krenek und seiner Kollegen waren die damaligen Berechnungen von Vodafone zur Ermittlung des Aktienwerts plausibel. Der siegreiche Mobilfunkkonzern reagierte erfreut: "Wir begrüßen den Beschluss des Landgerichts München", erklärte ein Sprecher.

Elliott ist dafür bekannt, kurz vor oder bei laufenden Übernahmeverfahren größere Aktienpakete zu kaufen und den Preis in die Höhe zu treiben. Der Hedgefonds hatte 13,5 Prozent der Kabel Deutschland-Anteile erworben und anschließend eine Sonderprüfung durchgesetzt, die beweisen sollte, dass die von Vodafone gebotenen Summen zu niedrig waren.

Elliott-Gründer Singer wird vom US-Magazin Forbes auf ein Vermögen von 3,5 Milliarden Dollar geschätzt, auf der Forbes-Liste der 400 wohlhabendsten US-Bürger liegt der 75-Jährige derzeit auf Platz 239. Schlagzeilen in Europa hatte Singer zuletzt 2018 mit der Übernahme des Traditionsclubs AC Mailand gemacht.

Die noch nicht abgeschlossene Sonderprüfung spielte bei der Entscheidung keine Rolle. Grundlage war eine neun Verhandlungstage dauernde Anhörung der Vertragsprüfer. Die Kläger hatten moniert, dass Vodafone in seinen Planungen zu wenig optimistisch gewesen sei - und daher den Wert der Kabel-Deutschland-Aktien und des jährlichen Ausgleichs zu niedrig angesetzt hatte.

Die Richter dagegen wiesen darauf hin, dass Zukunftsplanungen grundsätzlich schwer überprüfbar sind. "Wenn das Gericht von der Plausibilität der Planannahmen überzeugt ist, darf es diese nicht durch andere, möglicherweise auch plausible Planannahmen ersetzen", hieß es in der anschließenden Mitteilung des Gerichts.

Da die Kläger Beschwerde einlegen können, zeichnet sich eine Fortsetzung des Rechtsstreits ab. "Die vom Gericht bestätigte Barabfindung ist viel zu niedrig und entspricht in keiner Weise dem Wert von Kabel Deutschland zum Bewertungsstichtag", kritisierte ein Klägervertreter. Außerdem habe das Gericht "zwingend erforderliche Beweise nicht erhoben".

Die SdK will eine Beschwerde prüfen, sobald die schriftlichen Urteilsgründe vorliegen. "Ich gehe aber fest davon aus, dass sich auch das OLG noch mit dem Sachverhalt beschäftigen wird", erklärte der Vorstandsvorsitzende Daniel Bauer.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Boeing findet neues Problem bei 737-Max-Krisenjets

Der Airbus-Rivale Boeing kommt nicht zur Ruhe: Der seit fast einem Jahr aus dem Verkehr gezogene Krisenflieger 737 Max muss wegen neuer Probleme inspiziert werden. Doch …
Boeing findet neues Problem bei 737-Max-Krisenjets

Deutsche Telekom wächst kräftig - aber mit hohen Schulden

Die Telekom ist in Feierlaune: Die Fusion der US-Tochter mit dem Rivalen Sprint ist in greifbare Nähe gerückt, für 2019 werden satte Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis …
Deutsche Telekom wächst kräftig - aber mit hohen Schulden

Baustopp für Tesla-Fabrik: Springt Elon Musk jetzt ab? Regierung ist „bisschen nervös“

Nach einer Klage steht der Bau der Tesla-Fabrik bei Berlin still. Selbst die Grünen äußern Kritik an dem Vorgehen. Die CDU in Brandenburg will nun das Klagerecht für …
Baustopp für Tesla-Fabrik: Springt Elon Musk jetzt ab? Regierung ist „bisschen nervös“

Real ist verkauft - doch 34.000 Beschäftigte bangen weiter

Nach monatelangem Tauziehen sind die Verträge für den Verkauf von Real endlich unterschrieben. Die Supermarktkette soll nun zerschlagen werden. Doch bis Kunden und …
Real ist verkauft - doch 34.000 Beschäftigte bangen weiter

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.