Produktion wächst trotz Affäre

Abgas-Skandal: VW feuert möglicherweise mehrere Mitarbeiter

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Zulassungsbescheinigung eines Diesel-Fahrzeugs: Die Abgas-Affäre könnte möglicherweise weitere VW-Mitarbeiter den Job kosten. Foto: Marijan Murat

Immer wieder "Dieselgate": Die Abgas-Affäre bei Volkswagen könnte jetzt mehrere Beschuldigte den Job kosten. Gleichzeitig verkauft der Konzern immer mehr Autos. Aber wie lange noch?

Wolfsburg (dpa) - Mehreren im Abgas-Skandal beschuldigten Volkswagen-Mitarbeitern droht nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" die fristlose Entlassung. Die Betroffenen sollten "dieser Tage" die Kündigung erhalten, meldete die Zeitung am Freitag vorab.

Ungeachtet der Diesel-Misere hat der Konzern aber auch im Juli erneut mehr Autos verkauft. Die Produktion im Stammwerk Wolfsburg will der Autoriese in den nächsten Jahren auf eine Million Fahrzeuge erhöhen.

Dem Zeitungsbericht zufolge sollen die möglicherweise vor der Entlassung stehenden Ingenieure in die Abgas-Affäre verwickelt sein, gegen sie ermittle auch die Staatsanwaltschaft Braunschweig. Die Deutsche Presse-Agentur erfuhr aus Konzernkreisen, dass VW am 19. Juli Einsicht in die Akten der Braunschweiger Behörde erhielt. Derzeit werde der Inhalt der Unterlagen bewertet.

Im Fall der beschuldigten Ingenieure prüft Volkswagen Kreisen zufolge in Abstimmung mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen, ob arbeitsrechtliche Maßnahmen notwendig sind. Weitere Einzelheiten sollten derzeit nicht genannt werden.

Nach Informationen der Zeitung wollen sich die betroffenen Mitarbeiter gegen die Kündigungen juristisch zur Wehr setzen. Bislang habe VW auf fristlose Kündigungen verzichtet. Kurz nach dem Bekanntwerden des Skandals hatte laut Bericht Volkswagen seine Mitarbeiter aufgefordert, die Hintergründe zu dem systematischen Betrug offenzulegen.

Allerdings kritisierte der nach dem Abgas-Skandal eingesetzte US-Aufseher Larry Thompson nach dpa-Informationen nun fehlende personelle Folgen. Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft hat 39 Beschuldigte im Fall der Software-Manipulationen beim Stickstoffdioxid-Ausstoß im Visier.

Die Anklagebehörde ermittelt unter anderem auch gegen Ex-VW-Konzernchef Martin Winterkorn wegen Betruges sowie wegen möglicher Marktmanipulation. Er war im September 2015 von seinem Amt zurückgetreten - kurz nachdem US-Behörden Manipulationen bei Dieselautos aufgedeckt hatten. VW hatte nur mit einer "defeat device" genannten Software die Schadstoff-Grenzwerte bei Tests eingehalten.

In den USA waren rund 600.000 Fahrzeuge des Konzerns betroffen, in Deutschland ordnete das Kraftfahrt-Bundesamt für etwa 2,4 Millionen Wagen Rückrufe an. Insgesamt hat Volkswagen für Entschädigungen und Strafen in Nordamerika über 25 Milliarden Euro an Kosten verbucht.

Gleichzeitig braucht der Konzern für die Finanzierung neuer Technologien rund um E-Mobilität und Digitalisierung Geld. Bis 2020 soll daher die Produktivität aller deutschen Standorte um 25 Prozent zulegen, wie Andreas Tostmann, Produktions- und Logistikvorstand der Kernmarke VW Pkw, ankündigte.

Die Fertigung des Absatz-Dauerbrenners Golf werde mit Einführung der achten Modellgeneration in Wolfsburg gebündelt, sagte er. Die Golf-Produktion aus Zwickau und dem mexikanischen Puebla werde ins Wolfsburger Stammwerk verlegt. Zwickau bekommt dafür die Fertigung der neuen vollelektrischen ID-Modellfamilie.

Im vergangenen Jahr hatte VW im Werk Wolfsburg mit über 62.000 Beschäftigten rund 790 000 Autos gebaut. Weltweit lieferte die Marke mit dem VW-Emblem 2017 über 6,2 Millionen Autos aus und beschäftigte etwa 214.000 Menschen.

Eine neue Produktionsstrategie aus acht Handlungsfeldern soll helfen, die Effizienzziele zu erreichen. Dabei geht etwa darum, die Komplexität zu verringern - indem beispielsweise die Anzahl bestimmter Optionen und Teile kleiner wird. Ende September will die Marke Details zur neuen Produktionsstrategie "Transform.Together" bekanntgeben.

Dank hoher Rabatte vor der Einführung neuer Abgas-Prüfverfahren verkaufte Volkswagen im Juli 908.200 Fahrzeuge, 10,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. "Der Juli war ein starker Monat für den Konzern, in dem alle Marken deutlich bei den Auslieferungen zulegen konnten", sagte Vertriebschef Fred Kappler. Er warnte aber vor deutlich schwächeren Absatzzahlen in den kommenden Monaten.

Hintergrund ist der neue Abgas- und Verbrauchs-Prüfstandard WLTP ("Worldwide Harmonised Light-Duty Vehicles Test Procedure"), der in der EU von September an gilt. Ab dann darf kein Auto mit der alten Prüfnorm mehr verkauft werden.

Vor allem die Kernmarke VW Pkw hadert mit den neuen Verfahren, weil Hunderte Getriebe-Motor-Kombinationen neu zugelassen werden müssen. Der Konzern rechnet im zweiten Halbjahr beim laufenden Ergebnis mit Belastungen in Milliardenhöhe, weil er nicht mit den Messungen hinterherkommt und zudem die Produktion tageweise angehalten werden muss.

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