"Harter Brexit abgewählt"

Volkswirte sehen nach Briten-Wahl Chancen

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Die konservative Partei von Theresa May hatte bei den vorgezogenen Neuwahlen die absolute Mehrheit im britischen Parlament verloren. Allerdings hat auch die oppositionelle Labour-Partei keine Mehrheit. Foto: Alastair Grant

Rückenwind für die Brexit-Verhandlungen wollte sich Theresa May durch Neuwahlen sichern. Das ging schief. Die Verhandlungen über einen EU-Austritt Großbritanniens könnten nun komplizierter werden. Ökonomen sehen aber auch Positives in dem Votum.

Frankfurt/Main (dpa) - Nach der Wahlschlappe von Premierministerin Theresa May ist ein harter Schnitt Großbritanniens mit der Europäischen Union (EU) Volkswirten zufolge vom Tisch.

Eine Einigung mit London bei den Brexit-Verhandlungen sei wahrscheinlicher geworden, argumentierte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer.

'"Der harte Brexit wurde gestern abgewählt". Ähnlich sieht es Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise: "Das Positive an dem Wahlausgang ist, dass es kein Mandat für einen harten Brexit gibt, der für die britische und die Wirtschaft der EU sehr nachteilig gewesen wäre."

Die konservative Partei von Theresa May hatte bei den vorgezogenen Neuwahlen die absolute Mehrheit im britischen Parlament verloren. Allerdings hat auch die oppositionelle Labour-Partei keine Mehrheit.

An den Aktienmärkten sorgte das Ergebnis zunächst für Erleichterung. Auch aus Sicht der Anleger scheinen die Chancen auf eine Einigung bei den Brexit-Verhandlungen gestiegen zu sein. Der deutsche Leitindex Dax übersprang am Morgen zeitweise die Marke von 12 800 Punkten, gab einen Teil seiner Gewinne dann aber wieder ab. In London legte der Leitindex FTSE 100 zunächst deutlich um fast 1 Prozent auf 7518 Punkte zu. Das britische Pfund setzte hingegen seine Talfahrt fort. Auch an anderen europäischen Aktienmärkten ging es aufwärts.

Nach Einschätzung von Clemens Fuest, Chef des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts ifo, haben die Wahlen "die Ungewissheit, was die Brexit-Verhandlungen angeht, gesteigert". Generell sehen Ökonomen die Position Londons bei den Gesprächen über den EU-Ausstieg Großbritanniens, die eigentlich am 19. Juni beginnen sollen, geschwächt. Auch Neuwahlen sind aus ihrer Sicht nicht ausgeschlossen.

"Die Position Mays wird geschwächt, sowohl innen- als auch außenpolitisch", argumentierte Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank ING-Diba, geht davon aus, "dass die Brexit-Verhandlungen noch länger und noch komplizierter werden. Man benötigt wohl eine gehörige Portion britischen Humors, um alles zu verdauen".

Einen "Exit vom Brexit" hält Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater allerdings für unwahrscheinlich. Labour will zwar einen weicheren Brexit und eng mit der EU zusammenarbeiten. Aber die Entscheidung der Briten vom vergangenen Jahr, aus der EU auszutreten, will auch Labour-Chef Jeremy Corbyn nicht rückgängig machen. Einzig die Liberaldemokraten wollen den Brexit noch verhindern, dies gilt jedoch als aussichtslos.

Umstritten ist, wie sich das Wahlergebnis auf die wirtschaftliche Entwicklung Großbritanniens auswirkt. Manche Ökonomen rechnen mit negativen Folgen. Samuel Tombs, Chefvolkswirt für Großbritannien bei der der britischen Denkfabrik Pantheon Macroeconomics, argumentierte hingegen: "Die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft nach der Brexit-Abstimmung im vergangenen Jahr deutet darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen politischer Unsicherheit und wirtschaftlicher Aktivität nicht besonders stark ist." Allerdings komme das Wahlergebnis zu einer Zeit, in der sich das Wachstum bereits abgeschwächt habe.

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