Studie der Allbright-Stiftung

Vorstände von börsennotierten Firmen bleiben Männerdomäne

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Die an der Frankfurter Börse notierten Unternehmen kommen mit der paritätischen Besetzung ihrer Vorstände kaum voran. Foto: Daniel Reinhardt

Thomas, 53 Jahre alt, Westdeutscher: So sieht laut einer Studie das durchschnittliche Vorstandsmitglied von börsennotierten Unternehmen aus. Doch wollen die Konzerne auch künftig erfolgreich sein, müssen sie umdenken, kritisieren die Autoren.

Berlin (dpa) - Börsennotierte Unternehmen in Deutschland kommen mit der ausgeglichenen Besetzung ihrer Vorstände kaum voran. Unter den insgesamt 676 Vorstandsmitgliedern der 160 Unternehmen in den Indizes der Frankfurter Börse, Dax, MDax, SDax sowie TecDax, sind nur 46 Frauen.

Das zeigt eine neue Studie der gemeinnützigen Allbright-Stiftung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Ein Umdenken lasse sich bislang noch nicht feststellen, heißt es darin. "Geht es so weiter, haben wir erst in 45 Jahren ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in deutschen Vorständen."

"Die Unternehmen rekrutieren, als sei nur ein männlicher, 53-jähriger, westdeutscher Betriebswirt in der Lage, im Vorstand eines Unternehmens mitzuwirken", sagte die Geschäftsführerin der Allbright-Stiftung, Wiebke Ankersen. Seit März vergangenen Jahres waren laut Studie knapp 90 Prozent der Neuanstellungen in Chefetagen männlich. Bei zwei Dritteln handelte es sich um Deutsche und 64 Prozent der seit diesem Zeitpunkt eingestellten Vorstände sind in Westdeutschland ausgebildet worden. Laut dem Papier gibt es mehr Vorstandsmitglieder, die Thomas oder Michael heißen, als Frauen.

"Je höher es in der Hierarchie geht, umso seltener sind konkrete Ausschreibungen oder Bewerbungsverfahren die Regel", sagte Ankersen zu möglichen Ursachen. Sachliche Kriterien fielen deshalb weg. Stattdessen würden die Vorstände "nach Bauchgefühl" rekrutiert. Die Unternehmen gingen auf Nummer sicher und orientierten sich an dem, was schon in der Vergangenheit funktioniert habe.

Eine Pflicht für Firmen, ihre Vorstände ausgeglichen zu besetzen, gibt es nicht. Eine gesetzliche Frauenquote gilt nur für Aufsichtsräte. Und dort sind die deutschen Unternehmen laut der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) auf einem guten Weg. "Alle Quoten-pflichtigen Unternehmen, die 2016 den Aufsichtsrat gewählt haben, haben die Quote erfüllt", sagte ein Sprecher.

Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bestätigen das. Demnach lag der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 106 Unternehmen, die seit Anfang vergangenen Jahres zur Quote verpflichtetet sind, bei rund 27 Prozent. Anders sieht es bei den Vorständen aus. Bei denselben 106 Unternehmen lag der Anteil der weiblichen Führungskräfte 2016 nur bei 6,5 Prozent, so das DIW.

"Ein gutes Team ist möglichst vielfältig aufgestellt, um Selbstkritik, Innovationsfähigkeit und Profitabilität zu gewährleisten", sagte Allbright-Geschäftsführerin Ankersen. Beispiele wie VW oder die Deutsche Bank zeigten, wohin das immer gleiche und homogene Rekrutierungsprinzip führten. "In Zukunft wird das nicht mehr funktionieren. Die Wirtschaft braucht flexible und breit aufgestellte Führungsstrukturen."

"Immerhin werden die Frauen sichtbarer, da einige nun an der Spitze von Unternehmen stehen", stellt die Studie fest. Aktuell gebe es mit RTL, der Hamburger Hafen und Logistik AG und dem Biotech-Unternehmen Medigene drei Konzerne, deren Vorstandschefs weiblich sind.

Informationen des DIW zur Frauenquote in Vorständen

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