Automobil-Industrie

VW, BMW und Daimler: Die Altstars knöpfen sich Tesla vor

Die neuen Volkswagen-Elektroautos ID.3 (oben) und ID.4 stehen bei einem Pressetermin
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Mit dem ID 3 und ID 4 will Volkswagen auf dem E-Automarkt durchstarten.

Nach Abgasskandal und Coronakrise sah es lange Zeit nicht gut aus für die deutsche Automobil-Industrie. Doch jetzt nimmt der Umbau Richtung E-Mobilität Fahrt auf. Für Tesla ist das keine gute Nachricht.

Wolfsburg/München/Stuttgart - Im Frühjahr 2020 sah alles danach aus, als ob die deutsche Automobilindustrie ein wahrhaftes Krisenjahr vor sich haben würde. Doch entgegen aller Erwartungen konnten viele Autobauer große Verluste abwenden und teilweise sogar erhebliche Gewinne einfahren. Statt nur zu sparen und die Schäden der Corona-Pandemie abzufedern, investieren die drei großen deutschen Automobilhersteller in ihre Elektro-Offensive und setzen damit ein klares Signal an Tesla.

VW, BMW und Daimler beschleunigen E-Offensive

Besonders Volkswagen* sorgte in den vergangenen Wochen mit seiner E-Offensive für Schlagzeilen. Nach der Bekanntgabe, den Gesamtabsatz in Europa an E-Autos bis 2030 auf 70 Prozent zu steigern, folgte am Montag die nächste Ansage. Auf dem „Power Day“ kündigte VW an, sechs sogenannte Gigafabriken für Elektrobatterien in Europa bauen zu wollen. Bis zum Jahr 2030 sollen die Fabriken Batteriezellen mit einem Gesamt-Energiegehalt von 240 Gigawattstunden pro Jahr herstellen. Ganz nach dem Vorbild von Tesla will VW die Schnellladestationen in Europa auf 18.000 verfünffachen. Zudem sollen punktuell einige Werke des VW-Konzerns schon voll auf die Herstellung von E-Autos umgestellt werden. Das Seat-Werk in Martorell, Spanien, etwa soll in Zukunft nur noch Elektroautos bauen. Die Autoexperten der Schweizer Großbank UBS erklärten „VW ist der Hersteller mit der aggressivsten Elektroauto-Strategie weltweit“.

VW, Daimler und BMW: Lange Zeit im Rückstand zu Tesla

Seit Langem gilt Tesla* als unantastbar. Jahrelang schien es so, als hätte der kalifornische Elektroautohersteller einen uneinholbaren technologischen Vorsprung gegenüber traditionellen Herstellern. Vor allem im Bereich der Softwareentwicklung sahen viele Beobachter keine Chance für VW, BMW* und Daimler, um den Rückstand aufzuholen. Diese Umstände führten letztlich dazu, dass Tesla zwischenzeitlich so wertvoll war wie die zehn größten traditionellen Automobilhersteller der Welt zusammen. Der amerikanische Elektromobilhersteller wird zwar noch lange der Platzhirsch auf dem Elektroautomarkt sein, doch VW und Co. lösen sich mit ihrer E-Offensive zunehmend aus ihrer Trägheit.

VW, Daimler und BMW: Umstieg auf Elektroautos kommt

Auch BMW änderte kürzlich seine Strategie und will jetzt auf eine eigene Elektro-Autoplattform setzen. Statt wie bisher auf eine einheitliche Architektur zu setzen, mit der BMW technologisch breit gefächert und flexibel produzieren kann, konzentrieren sich auch die Münchner jetzt auf die Herstellung von Elektroautos. Außerdem kündigte Vorstandsvorsitzende Oliver Zipse* auf einer nicht öffentlichen Veranstaltung von BMW erstmals ein Absatzziel für Elektroautos an. Das Technologie-Flaggschiff iX* dürfte zumindest hierzulande nicht allzu viel beitragen.

Demnach wollen die Münchner bis 2030 weltweit 50 Prozent ihres Absatzes mit vollelektrischen Fahrzeugen machen. Bis vor kurzem noch sollten nur 20 Prozent aller verkauften Autos einen reinen elektrischen oder Hybridantrieb haben. Als erste Modelle sollen ab 2030 der MINI* komplett auf Elektro-Antrieb umgestellt. Bereits dieses Jahr wird neben dem SUV BMW iX auch das Coupé i4 erscheinen. 2022 folgt der 7er-BMW mit einer vollelektrischen Ausführung.

Neben BMW setzt auch Daimler auf die Elektrifizierung des eigenen Portfolios. Mercedes-Benz soll etwa ab 2030 mehr als 50 Prozent Elektro- und Hybridautos verkaufen. Zudem setzten sich die Schwaben zum Ziel, die Neuwagen-Flotte von Mercedes bis 2039 CO2-neutral zu produzieren. Darüber hinaus will Mercedes bis 2022 sein gesamtes Portfolio elektrifizieren. Das bedeutet, dass in jedem Segment vom Mittelklassewagen bis zum SUV verschiedene E-Alternativen angeboten werden sollen. Bereits 2025 soll dadurch der Absatz von elektronisch betriebenen Fahrzeugen auf 15 bis 25 Prozent wachsen.

E-Autos der Markt der Zukunft?

Der Markt für Elektroautos in Europa wächst weiterhin, doch die Frage ist: Wie nachhaltig ist das Wachstum? 2020 wurden immerhin dreimal so viele E-Autos zugelassen wie im Jahr zuvor. Doch die Nachfrage dürfte durch die staatlichen Kaufprämien befeuert werden. Der Bund bezuschusst etwa den Kauf eines Elektroautos mit bis zu 9000 Euro, den Erwerb eines Plug-in-Hybrids mit bis zu 6.750 Euro. Auch wenn das Interesse an E-Autos wächst, bleiben Zweifel. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach gaben 55 Prozent der Befragten an, dass für sie der Kauf eines Elektroautos nicht infrage kommen würde. Die Gründe für die Vorbehalte gegenüber E-Autos finden sich vor allem in der bisher schlechten Infrastruktur und der oftmals unzureichenden Reichweite. (phf) *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA.

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