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Satiriker Jan Böhmermann nimmt VW ins Visier: Zuschauer entsetzt: „Skrupellos“, „das nächste Auto KEIN VW“

Jan Böhmermann, Satiriker
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Jan Böhmermann: Der TV-Satiriker hat sich im ZDF den Volkswagen-Konzern vorgeknöpft.

Jan Böhmermann hat sich Volkswagen vorgeknöpft und einen Bogen geschlagen von der NS-Zeit bis zur Gegenwart. In den sozialen Netzwerken sind viele User entsetzt. 

München - Der TV-Satiriker Jan Böhmermann arbeitet sich gerne an den ganz Großen ab. Sein Schmähgedicht zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan („Star auf jeder Gangbang-Feier“) löste 2016 eine veritable Staatskrise aus und endete vor dem BGH. Zuletzt trafen Böhmermanns Attacken Jeff Bezos und die Familie Quandt. Der Amazon-Gründer mache beim Verkauf eines Aktienpakets Anfang November drei Milliarden Dollar, während der Konzern auch in den USA keine Steuern zahle, sagte Böhmermann. Und mit Blick auf die Familie Quandt sagte Böhmermann, die BMW*-Haupteigentümer hätten sich gerade 760 Millionen Euro Dividende gegönnt, nachdem der Autobauer noch im Frühjahr staatliches Kurzarbeiter-Geld erhalten habe.

Am Freitag hat der mehrfache Grimme-Preisträger in seiner neuen Show ZDF Magazin Royale wieder zugeschlagen. Und dieses Mal erwischte es Volkswagen*. Er liebe VW, versicherte der 39-Jährige zu Beginn seines Beitrags und setzte dann zu einem knapp 15-minütigen Parforce-Ritt durch die dunklen Seiten der Konzerngeschichte an, von der Nazi-Zeit bis zum Werksneubau im chinesischen Xinjiang 2013.

VW: Parforce-Ritt durch die dunklen Seiten der Konzernhistorie

Erst erinnerte Böhmermann an die Unternehmensgründung, den Auftrag Adolf Hitlers an Ferdinand Porsche zum Bau eines erschwinglichen Volkswagens sowie den Einsatz von Fremd- und Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen bei VW. Später habe Porsche persönlich bei SS-Chef Heinrich Himmler darauf gedrungen, „noch mehr KZ-Häftlinge zur Verfügung gestellt zu bekommen“.

Nach dem Krieg habe VW ab 1953 auch keine Hemmungen gehabt, mit der Militär-Diktatur in Brasilien zusammenzuarbeiten. Dazu spielte Böhmermann ein Interview mit dem langjährigen VW-Chef Carl Hahn ein, der zur Konzernpolitik jener Jahre sagte, man habe „versucht, Automobile zu bauen. Unabhängig davon, wer im Lande herrscht. Das überlassen wir den Eingeborenen“.

VW: „Ganz normaler psychopathischer Topmanager“

Auch der 2019 verstorbene Ferdinand Piech kommt in dem Beitrag nicht gut weg. Der legendäre VW-Chef sei ein „ganz normaler psychopathischer Topmanager“ gewesen, sagte Böhmermann und garnierte das mit einem Ausschnitt aus einer Pressekonferenz. „Immer wenn es um Krieg geht, sind am Ende weniger vorhanden, und es gibt immer Gewinner und Verlierer“, hatte Piech kurz nach seiner Berufung an die Konzernspitze 1993 gesagt. „Und ich habe die Absicht mit unseren Partnern (…) der Sieger zu sein.“

Genüsslich erinnerte Böhmermann zudem an einen Bericht des Spiegel, wonach der amtierende niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil seine Regierungserklärung zum Dieselskandal 2017 zur Prüfung zunächst an die Konzern-Juristen gesandt hatte. Dabei sei er als VW-Aufsichtsratsmitglied doch eigentlich dazu da, das Unternehmen zu kontrollieren. „Aber komisch, irgendwie sieht es so aus, als wär’s genau andersherum“, sagte Böhmermann.

VW: Auch Konzernchef Herbert Diess bekommt sein Fett weg

Und dann nahm sich der Bremer auch noch das VW-Werk in Xingjiang vor. In der westchinesischen Provinz sollen laut Medienberichten rund eine Million Uiguren inhaftiert sein. Einer eingeblendeten Google-Karte zufolge soll es im Umkreis um das VW-Werk 25 Arbeitslager und Gefängnisse für diese Volksgruppe geben. Dazu spielte die Redaktion des Satiremagazins ein TV-Interview mit VW-Boss Herbert Diess* ein. Auf die Frage eines TV-Reporters, ob er, Diess, keine Kenntnis von den Umerziehungslagern habe, sagte der VW-Chef schmallippig, ihm sei darüber „nichts bekannt“.

Zum Ende des Beitrags erinnert Böhmermann noch an einen Beitrag aus dem Handelsblatt. Die Wirtschaftszeitung hatte im März 2019 berichtet, dass Diess auf einer internen Veranstaltung vor Top-Manager des Konzerns gesagt hatte, „Ebit macht frei“. Ebit ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Viele Führungskräfte fühlten sich jedoch an den Ausdruck „Arbeit macht frei“ erinnert, der an den Eingangstoren zu nationalsozialistischen Konzentrationslagern angebracht war und reagierten entsprechend entsetzt. Diess wurde dafür kurz darauf vom VW-Aufsichtsrat gerügt und entschuldigte sich auf LinkedIn für die missratene Ausdrucksweise.

VW: Aufregung in den sozialen Netzwerken

In den sozialen Netzwerken sorgte Böhmermanns Beitrag für Aufsehen. Alleine auf Youtube ist der Beitrag schon über eine halbe Million mal aufgerufen worden und bekam rund 26.000 Likes. „Bei VW ist in der Presseabteilung bestimmt jetzt gute Stimmung“, mutmaßt ein User auf Twitter. „Blasser unrasierter Junge hat wohl wieder mal rasiert“, witzelt ein anderer.

Doch viele User sehen den subjektiven Zusammenschnitt der VW-Historie kritisch. Er habe nicht gewusst, dass VW „so skrupellos“ sei, schreibt ein Twitter-User. Ein anderer meint: „Arbeitslager in #China rund um das dortige #VW-Werk. Die #Volkswagen-Chefetage um Herbert #Diess weiß natürlich von nix...wie beim #Dieselskandal“. Und für einen weiteren Twitter-User kommt die Marke nun schlicht nicht mehr in Frage: „Ok, nach der aktuellen Folge #zdfmagazin wird das nächste Auto KEIN #VW. Schade, bei so einem sympathischen kleinen Familienunternehmen.“ *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

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