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VW-Vorstand plant spektakuläre EM-Aktion - und macht weitreichende Ankündigung

Klaus Zellmer: Der Diplom-Betriebswirt ist seit September 2020 Vertriebsvorstand bei der Kernmarke VW. Davor arbeitete der Schwabe rund 20 Jahre für Porsche, zuletzt als US-Chef des Sportwagen-Bauers.
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Klaus Zellmer: Der Diplom-Betriebswirt ist seit September 2020 Vertriebsvorstand bei VW. Davor arbeitete der Schwabe 23 Jahre für Porsche, zuletzt als US-Chef des Sportwagen-Bauers.

VW plant den Ausstieg aus dem Verbrenner-Geschäft bis spätestens 2035 und ein klares Signal für Vielfalt bei der EM, kündigt VW-Vertriebsvorstand Klaus Zellmer gegenüber dem Merkur an.

Wolfsburg/München – Nach der Volkswagen-Tochter Audi bereitet sich auch die Kernmarke VW* auf den endgültigen Abschied vom Verbrenner vor. „In Europa steigen wir zwischen 2033 und 2035 aus dem Geschäft mit Verbrenner-Fahrzeugen aus“, sagte VW-Vertriebsvorstand Klaus Zellmer im Interview mit dem Münchner Merkur. In den USA und China werde der Ausstieg etwas später erfolgen, auch in Südamerika und Afrika werde es „noch ein gutes Stück länger dauern“, sagte Zellmer.

Erst vor gut einer Woche hatte auch Audi* angekündigt, bis spätestens 2033 die letzten Verbrenner vom Band laufen zu lassen. VW will sich für den Ausstieg aber etwas länger Zeit lassen.

VW werde aber auch weiterhin in die Verbesserung seiner Verbrenner investieren, versicherte Zellmer. Dies gelte auch für den Diesel. Zwar werde die geplante Verschärfung der EU-Abgasnorm (EU7) für Diesel „sicher eine besondere Herausforderung“. Allerdings seien Dieselantriebe gerade bei Kunden mit hoher Laufleistung „noch sehr stark nachgefragt“, sagte der Manager.

VW: Halbleiter-Engpässe größte Herausforderung

Weiterhin große Sorgen bereiten dem Konzern die Versorgungsengpässe bei Halbleitern. Dies sei „die größte Herausforderung, die wir aktuell zu lösen haben“, sagte der studierte Betriebswirt. Man gehe davon aus, dass die Versorgung mit Chips in den kommenden Monaten angespannt bleiben werde. Weitere Produktionsanpassungen seien „nicht auszuschließen“. Man erwarte in den kommenden Monaten jedoch den Tiefpunkt der Krise und eine Verbesserung im zweiten Halbjahr.

Wegen massiver Lieferschwierigkeiten bei elektronischen Bauteilen hatten zuletzt zahlreiche Autobauer die Produktion drosseln müssen und ganze Schichten gestrichen. Auch im VW-Stammwerk in Wolfsburg musste der Konzern die Produktion wegen des Chipmangels zuletzt runterfahren. Im Werk Emden ruht die Arbeit seit Freitag komplett.

VW: Konzern plant Start von Abo-Modell noch im Sommer

Unterdessen steht die Kernmarke des Konzerns vor dem Start eines neuen Abo-Modells noch in diesem Sommer. Das Angebot werde bundesweit verfügbar sein und sich vor allem an jüngere Zielgruppen richten, die sich Alternativen zum klassischen Autokauf wünschten. Damit weiten die Wolfsburger ihr Angebot zum Start deutlich. Noch im Frühjahr hatte VW-Markenchef Ralf Brandstätter erklärt, man wolle das Abo-Modell zunächst in sechs deutschen Städten ausrollen. Nun will der Konzern gleich in die Fläche gehen.

Nach den Plänen sollen Kunden die Fahrzeuge künftig für zunächst drei Monate mieten können. 2030 sollen bereits rund 20 Prozent der Erlöse auf Abos sowie weitere Mobilitätsangebote entfallen, sagte Zellmer. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern mit seiner Kernmarke VW einen Umsatz von rund 71 Milliarden Euro erzielt.

Neben dem neuen Abo-Modell will VW im Sommer auch seine neue Online-Plattform für batterieelektrische Fahrzeuge freischalten. Künftig können Kunden dort den gesamten Fahrzeug-Kauf im Web abwickeln, von der Konfiguration über die Bestellung bis zu einem möglichen Leasing. Mittelfristig wolle man zudem weitere Dienste wie die Inzahlungnahme eines Gebraucht-Fahrzeugs online ermöglichen, sagte Zellmer.

VW: Konzern will mit Bandenwerbung bei EM Zeichen setzen

Mit Blick auf den weltweit beachteten Streit um die Beleuchtung des EM-Stadions in München ging Zellmer auf Distanz zur UEFA. „Natürlich hätten wir uns über eine Beleuchtung des Stadions in Regenbogenfarben zum Spiel Deutschland-Ungarn sehr gefreut“. Volkswagen nehme seine Rolle als Sponsor der EM sehr ernst und habe seine Position „zum Thema Vielfalt gegenüber den Verantwortlichen des DFB und vor allem der UEFA sehr deutlich zum Ausdruck gebracht“, sagte der Vertriebsvorstand.

Dies gelte insbesondere für die UEFA. „Wir als Sponsor werden die UEFA weiter daran erinnern“. Dazu will die Kernmarke des Wolfsburger Konzerns bereits in den bevorstehenden Achtelfinal-Partien mit Logos in Regenbogen-Farbe auf den Werbebanden Flagge zeigen. VW gehört als EM-Partner zu den wichtigsten Geldgebern des Turniers. Das Vorhaben birgt Zündstoff: Neben Amsterdam, London oder Sevilla gehört auch Budapest zu den Austragungsorten.

Auslöser für den Streit um die Beleuchtung des EM-Stadions in München war ein vom ungarischen Parlament verabschiedetes Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen im Hinblick auf Homosxualität einschränkt. VW gehört als offizieller Mobilitätspartner bei der EM zu den wichtigsten Sponsoren der UEFA. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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