Hoffnungsträger Elektroauto

Volkswagen will mit Kernmarke deutlich mehr Geld verdienen

+
Die Volkswagen-Kernmarke gilt als renditeschwach im Vergleich mit der Konkurrenz 

Wolfsburg - Trotz Abgas-Skandal blickt Volkswagens Kernmarke VW nach vorne. Das erste Quartal fiel gut aus - und auch im Gesamtjahr soll das so bleiben.

Volkswagen will mit seiner lange wenig profitablen Kernmarke VW zur Aufholjagd beim Gewinn ansetzen.

Das Sorgenkind mit den wichtigen Modellen Golf und Passat soll im laufenden Jahr operativ deutlich mehr Geld einbringen - die Umsatzrendite soll auf Jahressicht am oberen Ende der Bandbreite von 2,5 bis 3,5 Prozent liegen, wie das Unternehmen in Wolfsburg mitteilte.

Im vergangenen Jahr hatte die Rendite auch wegen der Folgen des Abgas-Skandals lediglich 1,8 Prozent betragen - auf Basis der jetzt geltenden Bilanzierung wären es 2,1 Prozent gewesen: Einige Importeursgesellschaften, die auch Autos anderer Konzernmarken vertreiben, werden neuerdings nicht mehr zur Marke gezählt.

Die Stammmarke gilt immer noch als renditeschwach im Vergleich mit der Konkurrenz. Hersteller wie BMW und Daimler sind hier enteilt - Daimler fährt mit derzeit zweistelligen Prozentwerten vorneweg, bei BMW waren es 2016 immerhin noch 8,9 Prozent.

Der VW-Konzern profitiert von ertragreicheren Töchtern wie Porsche und Audi. VW-Markenchef Herbert Diess wurde von BMW geholt, um den Autobauer profitabler zu machen. Dazu vereinbarte das Unternehmen zusammen mit dem Betriebsrat auch einen "Zukunftspakt", der unter anderem den Wegfall von weltweit bis zu 30 000 Stellen vorsieht - ohne betriebsbedingte Kündigungen. Im Gegenzug sollen Tausende Arbeitsplätze in Zukunftsfeldern entstehen.

Auf mittlere Sicht bleibt es dabei, dass die Rendite bis 2020 auf 4 Prozent steigen soll, 2025 sind 6 Prozent angepeilt. Im starken ersten Quartal hatte VW Pkw ein operatives Ergebnis von 869 Millionen Euro erzielt - was einer Marge von 4,6 Prozent entspricht. Vor einem Jahr war der operative Gewinn der Marke auch wegen des Abgas-Skandals noch auf 73 Millionen Euro eingebrochen. Das erste Quartal könne aber "kein Maßstab für das Gesamtjahr sein", mahnte Marken-Finanzchef Arno Antlitz. Verwiesen wurde etwa auf hohe Kosten für das Erreichen der Grenzwerte beim klimaschädlichen Kohlendioxid.

Der Umsatz der Kernmarke soll den Angaben zufolge in diesem Jahr um zehn Prozent zulegen - was gut 81 Milliarden Euro entsprechen würde. 2016 waren es nach der jetzt gültigen Bilanzierung 74 Milliarden Euro. Es gebe aber auch Risiken, betonte Diess: Vor allem in Nord- und Südamerika sei die Entwicklung unsicher, ebenso in Großbritannien und der Türkei. "Das Jahr wird also kein Selbstläufer", sagte Diess.

VW steht auch wegen des Skandals um manipulierte Dieselfahrzeuge unter Druck, alternative Antriebe zu entwickeln. Der Hoffnungsträger für den Start in die Ära der Elektroautos, der "ID", soll in Zwickau gefertigt werden. Das Fahrzeug werde ab 2020 auf den Markt kommen und solle bei den Kosten mit Dieselmodellen vergleichbar sein. Diess bekräftigte das Ziel, dass VW im Jahr 2025 rund eine Million E-Autos jährlich verkaufen und damit weltweiter Marktführer sein wolle.

Dies sieht dennoch eine Zukunft für den Diesel in Europa. Bei neuen Dieselmotoren gebe es keinen Anlass, die Autos aus den Städten zu verbannen, betonte er. Es gebe "gute Gründe, den Diesel nicht aufzugeben".

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

SAP legt dank Cloud-Geschäft weiter zu

Software und Daten in der sogenannten Cloud statt auf dem eigenen Rechner - dieses Modell ist auch bei SAP der Umsatztreiber. Der starke Euro belastet die Zahlen …
SAP legt dank Cloud-Geschäft weiter zu

Maas: "Lufthansa soll Air-Berlin-Tickets akzeptieren"

Berlin (dpa) - Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat die Lufthansa nach dem Erwerb großer Teile von Air Berlin zu Kulanz aufgefordert.
Maas: "Lufthansa soll Air-Berlin-Tickets akzeptieren"

dm stellt neue Zahlen und Digitalisierungsstrategie vor

Karlsruhe (dpa) - Deutschlands größte Drogeriemarkt-Kette informiert heute über die Unternehmensentwicklung und über eine neue Digitalisierungsstrategie.
dm stellt neue Zahlen und Digitalisierungsstrategie vor

Aufbau von Air-Berlin-Transfergesellschaft zieht sich hin

Noch sind die Millionen nicht zusammen, die Tausenden Air-Berlin-Mitarbeitern etwas Luft verschaffen könnten bei der Jobsuche. Die Sorge hat der Vorstandschef persönlich …
Aufbau von Air-Berlin-Transfergesellschaft zieht sich hin

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.