Indiz für den Klimawandel

Weinlese beginnt so früh wie nie zuvor

Langjährige Messungen zeigen, dass es seit 1988 mit den mittleren Temperaturen ständig nach oben geht. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa
+
Langjährige Messungen zeigen, dass es seit 1988 mit den mittleren Temperaturen ständig nach oben geht. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Sonne und anhaltende Wärme treibt die Winzer früher als je zuvor zur Ernte in die Weinberge. Aus dem ersten Traubenmost wird Federweißer. Der frühe Start hilft den Weinbauern im internationalen Wettbewerb.

Lörzweiler (dpa) - Die Traubenlese in Deutschland beginnt schon in der nächsten Woche - so früh wie nie zuvor. Den Anfang macht am 6. August ein Weingut in Lörzweiler (Kreis Mainz-Bingen), wie das Deutsche Weininstitut mitteilte.

Einen früheren Erntetermin habe es noch nie gegeben, sagte Weininstituts-Sprecher Ernst Büscher. Möglich macht es der lange und warme Sommer. Die bisherige Rekordmarke hielten die Jahre 2007, 2011 und 2014 mit einem Beginn jeweils am 8. August. Im vergangenen Jahr startete die Lese am 16. August, damals in einem Weingut in der Pfalz.

«In diesem Jahr sind wir extrem früh dran», sagte Büscher. «Der Entwicklungsstand der Reben ist dem 30-jährigen Mittel um gut drei Wochen voraus.» Der immer frühere Start sei ein Indiz für den Klimawandel. Langjährige Messungen im Rheingau zeigten, dass es seit 1988 mit den mittleren Temperaturen ständig nach oben gehe.

Die ersten Trauben gehen diesmal in die Federweißer-Produktion. Dafür werden vor allem die Rebsorten Solaris, Ortega, Bacchus und Huxel genutzt. Später wird auch Müller-Thurgau verarbeitet.

Der frühe Lesebeginn begünstige den deutschen Federweißen im Wettbewerb mit den Importen aus Italien, sagt Albrecht Ehses von der Industrie- und Handelskammer Trier. «Im Vergleich zum Federweißen aus Apulien sind wir sonst vier Wochen hinten dran, in diesem Jahr können wir das schneller aufholen.» Über den Handel werden laut Ehses bundesweit schätzungsweise elf Millionen Liter Federweißer im Jahr vertrieben. Der Anteil der deutschen Produktion liegt im Schnitt bei 50 Prozent. «In diesem Jahr könnten wir auf 60 Prozent hochspringen.»

Federweißer wird in allen 13 Weinanbaugebieten in Deutschland hergestellt und meist im Direktvertrieb der Winzer oder auch im regionalen Handel verkauft. In den bundesweiten Handel kommt vor allem Federweißer aus der Pfalz und Rheinhessen, den beiden größten deutschen Anbaugebieten.

Anders als bei Wein handelt es sich beim Federweißen um Frischware mit besonderen Anforderungen an die Logistik, etwa mit einer ununterbrochenen Kühlkette. Die Flaschen sind nur locker mit einer luftdurchlässigen Kapsel verschlossen. Dabei hat die Gärung gerade erst eingesetzt, so dass nach dem Kauf empfohlen wird, den Federweißen noch einen Tag bei Zimmertemperatur gären zu lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Lagarde: Keine gefährliche Lohn-Preis-Spirale im Euroraum
Wirtschaft

Lagarde: Keine gefährliche Lohn-Preis-Spirale im Euroraum

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, geht weiter davon aus, dass die Teuerungsrate 2022 wieder sinken wird. Ihr Ausblick sei allerdings „mit …
Lagarde: Keine gefährliche Lohn-Preis-Spirale im Euroraum
Probleme mit Windkraft: Börse straft Siemens Energy ab
Wirtschaft

Probleme mit Windkraft: Börse straft Siemens Energy ab

Siemens Energy muss erneut seine Ziele nach unten schrauben, weil die spanische Windkrafttochter Probleme hat. Sogar die mittelfristige Prognose steht jetzt auf dem …
Probleme mit Windkraft: Börse straft Siemens Energy ab
Autopilot: Revolutionäre Mercedes-Technik ab 2024 auch in Massenmodellen
Wirtschaft

Autopilot: Revolutionäre Mercedes-Technik ab 2024 auch in Massenmodellen

Mercedes-Benz will den revolutionären „Drive Pilot“ ab 2024 auch in die Massenmodelle verbauen. Bislang kommt er nur in der S-Klasse und dem EQS zum Einsatz.
Autopilot: Revolutionäre Mercedes-Technik ab 2024 auch in Massenmodellen
Weltwirtschaftsforum nach Covid-Pause Ende Mai
Wirtschaft

Weltwirtschaftsforum nach Covid-Pause Ende Mai

Aufgrund der Corona-Situation haben sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft bisher nur online austauschen können. Doch im Mai wollen sie sich wieder persönlich treffen …
Weltwirtschaftsforum nach Covid-Pause Ende Mai

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.