Drohende Fahrverbote

Verbraucherschützer: Autobauer sollen Diesel-Update bezahlen

+
Bei vergleichbarer Leistung erzeugen Diesel wegen der effizienteren Verbrennung des Kraftstoffs oft weniger CO2 als Benziner. Foto: Julian Stratenschulte

Für eine bessere Luft in vielen Städten ist eine Diesel-Nachrüstung im Gespräch. Doch wer finanziert das? Verbraucherschützer mahnen, es dürfe nichts an Autobesitzern hängen bleiben - am Staat auch nicht.

Berlin (dpa) - Die Verbraucherzentralen bestehen darauf, dass die Autobauer die Kosten von Schadstoff-Nachbesserungen bei Millionen Diesel-Fahrzeugen komplett übernehmen.

"Diejenigen, die uns allen die Suppe eingebrockt haben, waren die Autohersteller", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, in Berlin.

Die Politik müsse daher standhaft bleiben und kompromisslos das Verursacherprinzip verfolgen. Weder betroffene Kunden noch der Steuerzahler hätten einen einzigen Euro zu zahlen.

Angesichts drohender Fahrverbote in mehreren Städten hat die Branche eine Initiative angekündigt, um Stickoxid-Emissionen älterer Diesel zu verringern. Alle deutschen Hersteller planen, ein Software-Update für Motoren der Abgasnorm Euro 5 anzubieten.

Dies soll Teil eines Maßnahmenpakets sein, das die Autobauer zu einem Diesel-Gipfel der Bundesregierung am 2. August vorlegen wollen. Über die Kosten solle bei diesem Treffen gesprochen werden, hieß es von der Branche.

Im Gespräch ist nach Informationen der "Wirtschaftswoche" unter anderem ein Fonds für Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität, den Bund und Autoindustrie je zur Hälfte finanzieren sollen. Aus dem Volumen in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe könnten etwa digitale Leitsysteme für besseren Verkehrsfluss umgesetzt werden.

Mit Blick auf den generellen Schutz von Konsumentenrechten fordern die Verbraucherzentralen die künftige Bundesregierung auf, Vertrauen zurückzugewinnen. Vor allem bei Internet und Telefondiensten sowie Finanzen und Versicherungen offenbare sich noch Handlungsbedarf.

Konkret forderte vzbv-Chef Müller unter anderem gesetzliche Regeln für Vergleichsportale. "Verbraucher können keinesfalls sicher sein, dass sie in der Standardsortierung das beste Ergebnis an erster Stelle erhalten." Unklar bleibe, inwiefern Provisionszahlungen das Ranking beeinflussen. Welche Anbieter überhaupt in Vergleiche einbezogen werden, könnten Nutzer ebenfalls nicht erkennen.

Auch Bundesverbraucherminister Heiko Maas (SPD) hatte sich kürzlich für mehr Transparenz bei Algorithmen ausgesprochen, die Angebote für verschiedene Nutzer beeinflussen können. Gebraucht werde etwa eine behördliche Kontrolle, um Funktionsweisen, Grundlagen und Folgen von Algorithmen überprüfen zu können.

Pressemitteilung vzbv

Jahresbericht 2016/17 des vzbv

Umfrage für den vzbv zu Verbrauchereinschätzungen

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

London wirft Fahrdienst Uber raus

Uber wollte dem Taxi Konkurrenz machen. Zumindest in London ist das vorerst schiefgegangen: Die Stadt will den Fahrdienst von ihren Straßen verbannen.
London wirft Fahrdienst Uber raus

London wirft Uber raus: Nicht "fähig und geeignet"

London (dpa) - Der Fahrdienst-Vermittler Uber erhält keine neue Lizenz für London. Das teilte die Nahverkehrsbehörde der britischen Hauptstadt mit. Uber vermittelt via …
London wirft Uber raus: Nicht "fähig und geeignet"

Adidas-Chef: Atempause für schwächelnde Tochter Reebok

Nürnberg (dpa) - Adidas-Chef Kasper Rorsted will die schwächelnde US-Tochter Reebok bis mindestens Ende 2018 behalten. Auf die Frage, ob Reebok zu diesem Zeitpunkt noch …
Adidas-Chef: Atempause für schwächelnde Tochter Reebok

Widerstand gegen Stahlfusion wächst

Nach dem Bekanntwerden der Fusionspläne für die europäischen Stahlsparten von Thyssenkrupp und Tata wächst im Ruhrgebiet die Empörung. Die Kritik entzündet sich auch an …
Widerstand gegen Stahlfusion wächst

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.