Wird der Benzinpreis ansteigen?

Wie es mit dem Ölpreis nach dem Opec-Treffen weitergeht

Schon vor dem Treffen der Opec-Länder gibt es eine Tendenz: Die Förderbremse könnte bestehen bleiben. Fragen und Antworten zum Treffen in Wien am Donnerstag.

Wien - Die Erwartungen an das Opec-Treffen am Donnerstag in Wien sind hoch: Um den Rohölpreis zu stabilisieren, wird die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) die im November beschlossene Drosselung der Ölförderung wohl verlängern - oder die Fördermenge sogar noch stärker kürzen. Ob die Opec dadurch einen Preisverfall verhindern kann, ist aber unklar.

Was wird bei dem Treffen passieren?

Analysten gehen davon aus, dass die 13 Opec-Mitglieder die im November beschlossene Kürzung der Fördermenge verlängern werden. Auch Nicht-Mitglieder werden sich der Abmachung wahrscheinlich wieder anschließen. Mittlerweile wird damit gerechnet, dass die Drosselung um neun Monate verlängert wird - also bis März 2018. Auch eine stärkere Produktionskürzung ist im Gespräch.

Warum wurde die Drosselung im vergangenen Jahr beschlossen?

Die Opec-Mitglieder beschlossen die Kürzung der Fördermenge auf 1,2 Millionen Barrel pro Tag, um den Preis zu stabilisieren. Im Dezember schlossen sich elf Nicht-Mitgliedsländer an. Tatsächlich stieg der Ölpreis an und pendelte sich bei über 50 Dollar pro Barrel (159 Liter) ein. Das entspricht allerdings nicht einmal der Hälfte seines Wertes im Juni 2014.

Die Drosselung der Fördermenge war eine scharfe Abkehr von der im Jahr 2014 auf Initiative Saudi-Arabiens begonnenen Strategie, die Märkte regelrecht zu fluten. Damit sollten neue Konkurrenten, insbesondere Fracking-Unternehmen in den USA, aus dem Markt gedrängt werden.

Warum will die Opec die Drosselung jetzt verlängern?

Ziel der reduzierten Fördermenge war es, die Öl-Lagerbestände abzubauen, möglichst auf das Durchschnittsniveau der vergangenen fünf Jahre. Trotz einer relativ strikten Umsetzung der Kürzung in den ersten fünf Monaten des Jahres ist es der Opec aber nicht gelungen, den Lagerüberhang auf dieses Zielniveau zu reduzieren, wie Commerzbank-Experten erklären.

Mit einer Verlängerung der Drosselung könnte der Abbau möglicherweise besser gelingen: Analysten rechnen ab Juli konjunkturbedingt mit einer verstärkten Ölnachfrage.

Welche Risiken gehen die Ölförderländer ein?

Konkurrenten wie die USA könnten profitieren. "Mit der Fördermengenkürzung hat die Opec ein Eigentor geschossen", sagt etwa Commerzbank-Experte Carsten Fritsch. Denn die Schieferölproduktion in den USA habe "fast die Hälfte der Opec-Kürzungen ausgeglichen". Dieser Trend werde sich in der zweiten Jahreshälfte wahrscheinlich fortsetzen.

Der Analyst glaubt außerdem nicht, dass sich alle Länder an verlängerte Kürzungen halten. Durch drohende Verluste bei den Marktanteilen würden sie "langsam weichgekocht".

Wie werden sich die Ölpreise entwickeln?

Im Vorfeld des Treffens hat die Opec die Erwartungen in die Höhe getrieben, etwa indem Mitglieder wie Saudi-Arabien erklärten, alle Länder seien zu einer Produktionskürzung bereit. Auch bilaterale Vereinbarungen wie etwa zwischen Saudi-Arabien und Russland oder zwischen Saudi-Arabien und dem Irak ließen die Ölpreise steigen.

Ob dieser Aufwärtstrend bestehen bleibt, ist unsicher. Die Opec habe die Erwartungen dermaßen gesteigert, "dass eine bloße Verlängerung fast schon als Enttäuschung wahrgenommen würde", sagt Commerzbank-Experte Fritsch. Für die Opec sei es jetzt am besten, mit ihrer Entscheidung die hochgesteckten Erwartungen zu erfüllen und damit den jüngsten Preisanstieg erst einmal zu bestätigen.

Müssen Verbraucher nach dem Treffen mehr fürs Benzin zahlen?

Eher nicht. Experten rechnen mittelfristig mit eher fallenden Preisen.

afp

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