US-Behörde dagegen

Wolfspeed-Übernahme durch Infineon endgültig geplatzt

+
Infineon-Vorstandschef: Reinhard Ploss: Mit dem Kauf von Wolfspeed wollte sich der Münchener Dax-Konzern für künftige Technologien rüsten. Foto: Alexander Heinl

Besonders für das wichtige Geschäft mit der Autoindustrie hätte Infineon gern in den USA zugekauft. Doch das ist in Zeiten eines Donald Trump kein Selbstläufer.

Durham/München (dpa) - Der Chiphersteller Infineon muss den geplanten Zukauf des Halbleiterspezialisten Wolfspeed in den USA wie befürchtet ad acta legen.

Nachdem ein Ausschuss der US-Regierung für ausländische Investitionen im Land schon sein Veto eingelegt hatte, blies nun auch der Verkäufer, der US-amerikanische Konzern Cree, den Deal endgültig ab.

Eigentlich wollte sich der Münchener Dax-Konzern mit dem Kauf für künftige Technologien rüsten und dafür 850 Millionen US-Dollar (800 Mio Euro) investieren. Nun muss sich Konzernchef Reinhard Ploss einen anderen Kandidaten suchen.

Ein Infineon-Sprecher erklärte, letztlich hätten keine Maßnahmen gefunden werden können, um die Bedenken der US-Aufseher auszuräumen. Bereits auf der Hauptversammlung am Donnerstag hatte Ploss die Wahrscheinlichkeit für den Abschluss des Geschäfts als "extrem gering" bezeichnet.

Die US-Behörde CFIUS hatte vor rund einer Woche Einspruch gegen den Wolfspeed-Verkauf eingelegt. Das im Juli 2016 eingefädelte Geschäft sei ein Risiko für die nationale Sicherheit. Zunächst hatten Cree und Infineon noch den Versuch angekündigt, die Behörden umzustimmen. Man habe jedoch keine Hinweise erhalten, wie man die Bedenken ausräumen könne, hieß es bereits auf der Aktionärsversammlung. Am Finanzmarkt wurde gemutmaßt, die neue US-Administration unter Präsident Donald Trump habe bei dem Veto eine Rolle gespielt.

Die Behörde hatte allerdings in jüngerer Vergangenheit - auch unter Ex-Präsident Barack Obama - mehrfach grenzüberschreitende Deals blockiert, so etwa den Verkauf des deutschen Spezialmaschinenbauers Aixtron nach China.

"Wir sind enttäuscht, dass der Wolfspeed-Verkauf an Infineon nicht abgeschlossen werden kann", sagte Cree-Chef Chuck Swoboda. Er stellt Infineon nun eine Ausfallgebühr von 12,5 Millionen Dollar in Rechnung.

Wolfspeed ist eigentlich ein kleinerer Anbieter mit etwa 500 Mitarbeitern, der sogenannte Verbindungshalbleiter herstellt. Infineon rechnete sich aber große Chancen aus, weil Wolfspeed Spezialist für Chips auf Basis neuartiger Grundstoffe wie Siliziumkarbid und Galliumnitrid ist. Diese bieten laut Infineon gegenüber Chips auf Siliziumbasis höhere Schaltfrequenzen und weniger Energieverlust - was sie attraktiv macht etwa für den Einsatz in Elektroautos oder für schnellere Mobilfunktechnik.

Ploss sieht seine Rolle in der derzeitigen Übernahmewelle in der Branche eher als aktiver Part, als Übernahmeziel will er Infineon jedenfalls nicht verstanden wissen. Die großen Räder drehen aber andere: Der US-Spezialist für Mobiltelefonchips Qualcomm will etwa den Infineon-Rivalen NXP für 47 Milliarden Dollar übernehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Scout24 übernimmt Finanzcheck.de

Frankfurt/Main (dpa) - Der Online-Portalbetreiber Scout24 übernimmt das Finanzportal Finanzcheck.de. Der Kaufpreis beläuft sich auf 285 Millionen Euro, wie der …
Scout24 übernimmt Finanzcheck.de

Münchner Aldi-Mitarbeiterin packt aus: So hart ist die Arbeit an der Kasse

Jeder Einkauf im Discounter endet an der Kasse. Aber wie gut werden die Kassierer eigentlich behandelt? Eine Aldi-Süd-Mitarbeiterin hat nun Auskunft gegeben.
Münchner Aldi-Mitarbeiterin packt aus: So hart ist die Arbeit an der Kasse

Dax legt im späten Handel deutlich zu und schließt im Plus

Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat am Dienstag nach einem lange richtungslosen Verlauf im späten Handel deutlich angezogen. Als Kursstützen sah Analyst Michael Hewson …
Dax legt im späten Handel deutlich zu und schließt im Plus

Paris: USA verweigern Ausnahmen von Iran-Sanktionen für EU-Unternehmen

Nach Angaben aus Paris wird es keine Ausnahmen für deutsche und andere europäische Unternehmen von den US-Sanktionen gegen den Iran geben
Paris: USA verweigern Ausnahmen von Iran-Sanktionen für EU-Unternehmen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.